Was man mit ein paar freien Tagen machen kann: Entspannen, baden, grillen… Ich habe die Zeit genutzt um zu trainieren. Innerhalb von drei Tagen bin ich 150 km gelaufen. Das war somit der intensivste Teil auf meinem Trainingsplan.
Los ging es mit einer 30 km-Runde um meine Nachbarschaft herum. Tag zwei verlangte mir 70 km ab. Streckenmäßig nicht wirklich was besonderes, jedoch ist es schön, solch eine Distanz durchhalten zu können. In der Früh zu starten und am Abend heimzukommen… Grund genug ein wenig zu posen. Doch an diesem Abend gab es dann noch genug zu tun. Gut ausdehen, ein Entspannungsbad nehmen und Kohlehydrate reinschaufeln. Irgendwie wieder fit werden für die letzten 50 km an Tag 3.
Nachdem das Wetter am zweiten Tag ein klassischer April-Tag war, wurde ich am Dritten mit viel Sonne und toller Lauftemperatur verwöhnt. Vor allem hier kam die Sonne perfekt zum Einsatz, denn die letzten 50 km führten mich um den Starnberger See herum. Possenhofen erschien mir als guter Startpunkt, da es dort freie Parkplätze und einen Kiosk für „danach“ gibt. Von da aus machte ich mich im Uhrzeigersinn auf nach Starnberg. Gerade in Starnberg war das laufen schwer. So viele Fotomotive und Einkehrmöglichkeit… bei traumhaftem Frühlingswetter. Die schweren Beine wurden bei solch einer Kulisse sehr viel leichter. Wer sich für Astronomie begeistert, der kann sich entlang der Seepromenade immer wieder an Informationssäulen erfreuen. Diese sind allesamt mit einem Modell eines Planeten des Sonnensystems geschmückt. Am Strandbad angekommen kann man sich noch an den vielen netten Bootshäusern erfreuen, bis man über eine kleine Brücke kommt, die über die Würm führt. An dieser Brücke befindet man sich am einen Ende des langgezogenen Sees. Hier wird einem klar, was auf einen wartet. Was eine Umrundung bedeutet.



Danach führt der Weg schön am See entlang. Dennoch befinden sich auf der einen Seite zumeist lauter Boots- und auf der anderen die Wohnhäuser. Diesmal macht dies aber gar nichts aus. Egal ob Boots- oder Trafohaus. Alles sieht so aus, als ob man da selbst einziehen möchte. Die Wohnhäuser gleichen kleinen Schlössern. Die Frage hat mich immer begleitet, ob für den Gartner ein extra Gärtner angestellt wird. Die obligatorsche Terrasse oder Balkon, von wo man das Seeambiente genießen kann gehörten selbstredend dazu. Ja und wenn es kein Schlösschen war, dann eben ein Haus. Aber was für eines. Bei jedem hätte man denken können, dass hier die Weltmeisterschaft für einen Architektenpreis ausgetragen wurde. Überall wäre man gerne hineingegangen und hätte einen Riesenspaß an einer Hausbesichtigung gehabt. Im Anschluss folgt dann das Wäldchen, welches die Votivkapelle umschließt. Welche Kapelle? Die Votivkapelle! Sehr sehenswert. Zumal an ihrem Fuße das Kreuz steht, welches an Ludwig II. erinnert. Na? Kommt´s wieder? Genau. Hier ist der Märchenkönig ertrunken. Dort sind dann auch die ersten 10 km gelaufen, die es erlauben einen kleinen Snack zu sich zu nehmen und die Eindrücke aufzusaugen.



Die Wegstrecke am See entlang ändert sich nicht nennenswert. Es bleibt schön. Den See fest im Blick. Das Highlight bleiben aber im positiven Sinn die Häuser. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl durch einen Ort zu laufen. Allesamt sind so in den Wald eingebaut, dass sie fast für sich allein stehen. Ein lautes „Wow“ entfährt einem noch beim Anblick der „Wort des Lebens“-Schlösser bei Seeburg, die Jugendherbergen sind. Hier würde ich mich sofort bei einem Freizeitprogramm anmelden.


Kurz vor Seehaupt, am anderen Seeende steht dann die Natur im Vordergrund. Man wird durch die Landschaftsschutzbereiche geführt. Bei diesem Szenenwechsel taucht man wieder in die Bergromantik ein. Hier und da wird man von einem Bänkchen eingeladen etwas zu rasten oder auf eine Alpenwanderung zu gehen. Je näher man Buchheim kommt, desto mehr verliert sich die natürliche Atmosphäre und wird von einer gut gepflegten Parklandschaften abgelöst. Dieses Areal eignet sich super für kürzere Läufe mit ein paar Auf & Abs. Ebenso interessant wirkt auch das Kunst-Museum bei Buchheim. Mit dem bunt besprayten Helikopter scheint es definitv einen Blick wert zu sein.



Irgendwann ist es so weit und man ist in Tutzing angekommen. Hier hat man die Wahl, ob man in der Stadt flanieren oder durch das Parkgelände laufen soll. Zu sehen gibt es genug. Ich kann jedenfalls den kurzen Aufstieg auf den Johannishügel empfehlen. Für mich war es DER Blick auf den Starnberger See, der an dieser Stelle wundervoll von den Bergen geschmückt wird. Eine super Stelle für eine kleine Auszeit.

Danach folgen die finalen Kilometer. Noch ca. 8 km bis nach Possenhofen. Die Marathondistanz ist bereits im Gepäck. Und genau diese letzten Kilometer haben wieder den See als Hauptdarsteller. See, See, Liegewiese. Es macht nochmal richtig Spaß auf den Kieswegen zu laufen (gerade auf der anderen Uferseite hat man sehr wenig davon). Man blickt auf die Sonnenbräuner, die Wasserratten und die Grillgötter. Die Gedanken um das Zielbierchen verdichten sich… bis man dann da ist. Geschafft. Genau hier ist ein famoses Ende der Seerunde. Eis und alkoholfreies Weizen kaufen und seine Kilometer bestaunen. Man kann vom einen auf´s andere Seeende blicken. Sieht auf der anderen Uferseite die Voltivkapelle und so manches Schloss, an dem man vorbeigelaufen ist. Herrlich. Ein Schluck vom Weizen auf dem Steg mit diesem Blick. Man darf in ein richtig zufriedenes Hochgefühl eintauchen.


Egal wo man mit seiner Seerunde einsteigt. Man kommt definitv auf seine Kosten. Ein paar Kilometer am See entlangzulaufen sind kein Fehler. Einzig und allein die Recherche, wo es den belohnenden Durstlöscher gibt sollte durchgeführt werden, da diese teilweise schon auf sich warten lassen. Das Warten ist es aber wert. Und jetzt auf geht´s. Lasst uns das nächste Weizen verdienen!

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