Auf meinem Trainingsplan nimmt die Zahl der langen Einheiten stetig zu. Wer die Ü30-Marke (km nicht Alter) überschreitet, dem ist bestimmt auch schon einmal der ein oder andere Seufzer bei dieser Länge entfahren. Immer und immer die gleichen Kilometer. Ich bin daher für die Bavarian Lake Challenge (BLC) mega dankbar, denn diese langen Einheiten machen mit so einer Seenrunde wirklich Spaß… wenn das Gewässer und die Umgebung schön sind. Naja, wenn nicht, dann auch ;-). Dann ist es einfach ein kleines Abenteuer.
Zuletzt stand der Brombachsee als Nr. 4 auf meiner Liste. Diesen kann man eigentlich in zwei Seen einteilen. In den großen und kleinen Brombachsee. Obwohl es auf dem Weg dorthin und am See selbst viele weiße Stellen gab, so nistete sich in meinem Kopf ein klares sommerliches Bild ein. 1-2 Tage am Brombachsee chillen. Ein Mini-Urlaub. Und dieser See gibt alles dafür her. Kurz bevor man den See erreicht, erwartet einen schon bei Pleinfeld eine Sommerrodelbahn. Bei Ramsberg gibt es dann genug Parkplätze am See. Einer der Vorzüge des Sees ist, das dass Ufer nahezu vollständig für jedermann gedacht ist. Überrall kann man einen Fuß ins Wasser setzen. Das Seeufer ist zu einem sehr großen Teil mit feinem Sand aufgeschüttet, wodurch eben dieses italienische Urlaubsfeeling im Kopf Einzug hält. Wer nicht nur baden möchte, der kann sich auch ein E-Bike mieten oder eine kleine „Kreuzfahrt“ mit dem Schiff machen. Im regelmäßigen Abstand stehen dann Cafés und Kioske zum Einkehren bereit. Sprizz vielleicht? Zu gerne, doch zur Winterzeit hat leider dass allermeiste geschlossen. Dennoch, die ersten Kilometer machen sehr viel Spaß. Man hat den Eindruck auf einer Promenade zu laufen. Auf der einen Seite der Strand und auf der anderen ein schöner Waldbereich. Den darumliegenden Gemeinden war es wohl wichtig, dass der See ein Erholungsgebiet ohne Wohnbereich ist. Das Gewässer macht den Eindruck, als ob es gerade erst kurz vor der Einweihung steht. Alles ist top gepflegt. Sobald ein Strand samt Café in Sichtweite ist, steht schon ein riesiges Schild mit dem Bild eines Kiosk-Betreibers und dem Spruch „Brombachsee müllfrei!“ da. Direkt darunter stehen schon die Mülleimer parat. Die Fotos der Betreiber sind dabei immer nett, z. T. mit Herzchen, und niemals mahnend. Das Konzept scheint aufzugehen. Auch die Kioskbuden selbst, machen was her. Man darf sich hier keine zusammengenagelte verwitterte Holzhütte vorstellen. Wie gesagt, hier herrschen Dolce-Vita-Vibes.


Ist man dann auf der Längsseite des großen Brombachsees entlanggelaufen darf man über eine Art Staumauer Richtung Allmannsdorf laufen. Das Ambiente ändert sich nicht nennenswert. Ggf. gibt es ein paar mehr Grünflächen, um auch mal sein Handtuch auszubreiten. Richtung Ottmansberg nimmt der See dann aber ein immer natürlicheres Erscheinungsbild an. Man läuft durch immer mehr Waldabschnitte und auch das Seeufer ist hier und da auch mal für die eigentlichen Waldbewohner und nicht für die Badegäste zugänglich. Nichtsdestotrotz herrscht immer noch eine 1a-Erholungsatmosphäre. Es gibt immer weniger bis gar keine Cafés mehr, wodurch es ruhiger wird.


Zwischen Ottmannsberg und der Staumauer, die den großen vom kleinen Brombachsee trennt, ist das Ambiente dann wieder wie bei Ramsberg. Über die Staumauer zu laufen ist jedoch schon ein kleines Highlight, da der Ausblick auf eben dieser wirklich toll ist. Durch die Mauerlänge von min. 1 km kommt ein tolles Panorama zustande. Hat man die andere Seite dann erreicht, kann man entweder die Runde Richtung Ramsberg beenden (ca. 16 km) oder sich noch den kleinen Brombachsee vornehmen (ca. 7 km).




Ich habe mich für den „Achter“ entschieden, also den kleinen Brombachsee mitzunehmen und dann ein zweites Mal über die Staumauer zurückzukommen. Der „Kleine“ hat einen anderen Charakter. Hier gibt es keine Sandstrände mehr, sondern einfach Gras. Bayrisch halt. An manchen Stellen durchläuft man auch Campinganlagen, die jedoch nicht wirklich störend sind. Trotzdem fiel mir eine nette Hinterlassenschaft auf, die mich an eine Redewendung erinnerte. „Den Ast auf dem man sitzt absägen.“ Für mich ist das nun eine sommerliche Redewendung. Das Bild, welches sich mir dargeboten hat, war wohl die winterliche Variante dieser Redewendung: „Um das Eis, welches einen trägt, pinkeln.“

Auch wenn hier bestimmt kein Männer-JGA Einzug gehalten hat, so fand ich die Vorstellung davon recht witzig. Zurück zum See und laufen… Wer Interesse am Camping hat, dem kann ich den Campingplatz bei Absberg empfehlen. Tolles Gelände, gute Verköstigung und auch eine Wakeboardanlage. An dieser ist auch eine spezielle Area für Konzerte und chillige Bierverkostung angelegt. Dieser Bereich gefiel mir gleich so gut, dass ich die Strecke zweimal gelaufen bin. Naja, vielleicht lag es auch daran, dass meine Komoot-Aufzeichnung 2,5 km zuvor angehalten hat. Die musste ich natürlich für eine schön geschlossene blaue Aufzeichnungslinie auf der App nochmal zurück. 5 km extra also. Als ob das nicht genug gewesen wäre: Genau dieser Streckenabschnitt ist so ziemlich der einzige, an dem eine Landstraße vorbeiführt. Nicht all zu schlimm, im Vergleich zur restlichen Wegstrecke jedoch ein „Downgrade“. Bei der Absberger Campinganlage befindet man sich schließlich am Ende des Sees. Die letzten Kilometer zurück zur Staumauer. Diese offenbaren einem keine Highlights mehr. Hauptsache Meter machen. Ein zweites Mal über die Mauer zu laufen ist allerdings schon ganz schön, da die Location drumherum ein schönes Antlitz bietet. Und dann geht es zurück Richtung Ramsberg. Der Weg bis dahin ist auch eher nochmal etwas mehr bewaldet und man tritt wieder in die Idylle des großen Brombachsees ein. Nach 23 km – wenn alles glatt läuft- ist man dann wieder da.
Insgesamt bin ich schon vor allem vom großen Brombachsee begeistert. Im Sommer möchte ich diese Stelle durchaus nochmal mit einem Glas in der Hand bestaunen. Auch zum Laufen kann ich die Strecke empfehlen, da sie sehr kurzweilig und schön ist. Da ich auf viele LäuferInnen gestoßen bin, scheint es nicht nur mir so zu gehen. Probiert es doch selber mal aus. Wem diese Streckenbeschreibung nicht so zusagt, der schaut die nächsten Tage nochmal auf meine Homepage. Als nächstes geht´s nämlich zum Tegernsee!

