Time 2 Play!

Monat: April 2026

Starnberger See und die 150 km

Was man mit ein paar freien Tagen machen kann: Entspannen, baden, grillen… Ich habe die Zeit genutzt um zu trainieren. Innerhalb von drei Tagen bin ich 150 km gelaufen. Das war somit der intensivste Teil auf meinem Trainingsplan.

Los ging es mit einer 30 km-Runde um meine Nachbarschaft herum. Tag zwei verlangte mir 70 km ab. Streckenmäßig nicht wirklich was besonderes, jedoch ist es schön, solch eine Distanz durchhalten zu können. In der Früh zu starten und am Abend heimzukommen… Grund genug ein wenig zu posen. Doch an diesem Abend gab es dann noch genug zu tun. Gut ausdehen, ein Entspannungsbad nehmen und Kohlehydrate reinschaufeln. Irgendwie wieder fit werden für die letzten 50 km an Tag 3.

Nachdem das Wetter am zweiten Tag ein klassischer April-Tag war, wurde ich am Dritten mit viel Sonne und toller Lauftemperatur verwöhnt. Vor allem hier kam die Sonne perfekt zum Einsatz, denn die letzten 50 km führten mich um den Starnberger See herum. Possenhofen erschien mir als guter Startpunkt, da es dort freie Parkplätze und einen Kiosk für „danach“ gibt. Von da aus machte ich mich im Uhrzeigersinn auf nach Starnberg. Gerade in Starnberg war das laufen schwer. So viele Fotomotive und Einkehrmöglichkeit… bei traumhaftem Frühlingswetter. Die schweren Beine wurden bei solch einer Kulisse sehr viel leichter. Wer sich für Astronomie begeistert, der kann sich entlang der Seepromenade immer wieder an Informationssäulen erfreuen. Diese sind allesamt mit einem Modell eines Planeten des Sonnensystems geschmückt. Am Strandbad angekommen kann man sich noch an den vielen netten Bootshäusern erfreuen, bis man über eine kleine Brücke kommt, die über die Würm führt. An dieser Brücke befindet man sich am einen Ende des langgezogenen Sees. Hier wird einem klar, was auf einen wartet. Was eine Umrundung bedeutet.

Danach führt der Weg schön am See entlang. Dennoch befinden sich auf der einen Seite zumeist lauter Boots- und auf der anderen die Wohnhäuser. Diesmal macht dies aber gar nichts aus. Egal ob Boots- oder Trafohaus. Alles sieht so aus, als ob man da selbst einziehen möchte. Die Wohnhäuser gleichen kleinen Schlössern. Die Frage hat mich immer begleitet, ob für den Gartner ein extra Gärtner angestellt wird. Die obligatorsche Terrasse oder Balkon, von wo man das Seeambiente genießen kann gehörten selbstredend dazu. Ja und wenn es kein Schlösschen war, dann eben ein Haus. Aber was für eines. Bei jedem hätte man denken können, dass hier die Weltmeisterschaft für einen Architektenpreis ausgetragen wurde. Überall wäre man gerne hineingegangen und hätte einen Riesenspaß an einer Hausbesichtigung gehabt. Im Anschluss folgt dann das Wäldchen, welches die Votivkapelle umschließt. Welche Kapelle? Die Votivkapelle! Sehr sehenswert. Zumal an ihrem Fuße das Kreuz steht, welches an Ludwig II. erinnert. Na? Kommt´s wieder? Genau. Hier ist der Märchenkönig ertrunken. Dort sind dann auch die ersten 10 km gelaufen, die es erlauben einen kleinen Snack zu sich zu nehmen und die Eindrücke aufzusaugen.

Die Wegstrecke am See entlang ändert sich nicht nennenswert. Es bleibt schön. Den See fest im Blick. Das Highlight bleiben aber im positiven Sinn die Häuser. Dabei hat man jedoch nie das Gefühl durch einen Ort zu laufen. Allesamt sind so in den Wald eingebaut, dass sie fast für sich allein stehen. Ein lautes „Wow“ entfährt einem noch beim Anblick der „Wort des Lebens“-Schlösser bei Seeburg, die Jugendherbergen sind. Hier würde ich mich sofort bei einem Freizeitprogramm anmelden.

Kurz vor Seehaupt, am anderen Seeende steht dann die Natur im Vordergrund. Man wird durch die Landschaftsschutzbereiche geführt. Bei diesem Szenenwechsel taucht man wieder in die Bergromantik ein. Hier und da wird man von einem Bänkchen eingeladen etwas zu rasten oder auf eine Alpenwanderung zu gehen. Je näher man Buchheim kommt, desto mehr verliert sich die natürliche Atmosphäre und wird von einer gut gepflegten Parklandschaften abgelöst. Dieses Areal eignet sich super für kürzere Läufe mit ein paar Auf & Abs. Ebenso interessant wirkt auch das Kunst-Museum bei Buchheim. Mit dem bunt besprayten Helikopter scheint es definitv einen Blick wert zu sein.

Irgendwann ist es so weit und man ist in Tutzing angekommen. Hier hat man die Wahl, ob man in der Stadt flanieren oder durch das Parkgelände laufen soll. Zu sehen gibt es genug. Ich kann jedenfalls den kurzen Aufstieg auf den Johannishügel empfehlen. Für mich war es DER Blick auf den Starnberger See, der an dieser Stelle wundervoll von den Bergen geschmückt wird. Eine super Stelle für eine kleine Auszeit.

Danach folgen die finalen Kilometer. Noch ca. 8 km bis nach Possenhofen. Die Marathondistanz ist bereits im Gepäck. Und genau diese letzten Kilometer haben wieder den See als Hauptdarsteller. See, See, Liegewiese. Es macht nochmal richtig Spaß auf den Kieswegen zu laufen (gerade auf der anderen Uferseite hat man sehr wenig davon). Man blickt auf die Sonnenbräuner, die Wasserratten und die Grillgötter. Die Gedanken um das Zielbierchen verdichten sich… bis man dann da ist. Geschafft. Genau hier ist ein famoses Ende der Seerunde. Eis und alkoholfreies Weizen kaufen und seine Kilometer bestaunen. Man kann vom einen auf´s andere Seeende blicken. Sieht auf der anderen Uferseite die Voltivkapelle und so manches Schloss, an dem man vorbeigelaufen ist. Herrlich. Ein Schluck vom Weizen auf dem Steg mit diesem Blick. Man darf in ein richtig zufriedenes Hochgefühl eintauchen.

Egal wo man mit seiner Seerunde einsteigt. Man kommt definitv auf seine Kosten. Ein paar Kilometer am See entlangzulaufen sind kein Fehler. Einzig und allein die Recherche, wo es den belohnenden Durstlöscher gibt sollte durchgeführt werden, da diese teilweise schon auf sich warten lassen. Das Warten ist es aber wert. Und jetzt auf geht´s. Lasst uns das nächste Weizen verdienen!

Sahne zu Butter – Waginger See

Die Bavarian Lake Challenge neigt sich ihrem Ende zu. Am Ostersamstag ging es für mich zum Waginger See. Was die Entfernung angeht, war dieser See der entlegenste. Direkt neben dem Waginger See liegt auch der Tachinger See und wenn ich sage direkt neben dran, dann meine ich das auch so. Die Seen sind lediglich von einer Brücke getrennt. Man möchte meinen, dass früher die Tachinger und Waginger nicht miteinander auskamen… . Aufgrund der geografischen Lage, beschloss ich, die Seen gemeinsam zu umrunden. 29 km stehen danach auf der Laufuhr. An schönen Spots mangelt es allerdings sehr. Ein gutes Stück führt wieder entlang einer Landstraße. Darüber hinaus geht es durch die kleinen Dörfer und grünen Ortsschilder. Lediglich an der Ostseite des Tachinger Sees sind ein paar Kilometer durch einen Wald direkt am Ufer zu genießen. Auch ansonsten könnte man meinen, dass die Seen sogar eher ignoriert werden. Außer zwei Strandbäder – oder eher aufgrund der Größe Badezimmer -und zwei Campingplätze erinnert nichts daran, dass sich hier eine größere Wassermasse befindet. Es gibt auch keinen einzigen Biergarten, Restaurant, Badebereich oder sonstiges von wo aus man das Seeambiente genießen könnte. Es lohnt wirklich nicht hier hinzufahren. Das einzige Sehenswerte ist der 5-Sterne-Camping-Platz (Waginger See). Nur dort gibt es einen wirklich schönen Kilometer Seepromenade und ein Restaurant. Ansonsten hat man auch die Möglichkeit eine Runde Mini-Golf, Pitpat oder Soccergolf zu spielen. Hier ließe es sich aushalten.

Zufällig wollte ich bei dieser Runde ein kleines Projekt ausprobieren, welches ich im Fernseh gesehen habe. Dabei füllt man Sahne in einen Beutel, steckt diesen in seinen Laufrucksack und läuft. Das „wilde Rumgehopse“ soll die Sahen aufschlagen. Nach ca. 10 km soll es schon fertig sein. Da meine erste Runde 29 km betrug waren die Erfolgsaussichten also recht hoch. Und tadaaaa. Es lief wie geschmiert. Mit Streichzarter Butter konnte ich mir meinen Osterfladen schmecken lassen. Diese Aktion fand ich echt witzig und kann es nur empfehlen einmal nachzumachen.

Der Snack war wertvoll, denn jetzt war erst Halbzeit. 60 km waren mein Ziel. Ein weiterer Ultra. Da die Strecke nicht viel hergab, war es diesmal recht zäh. Wer „kleinere“ Strecken vorzieht, der kann sich die Seen auch gerne aufteilen. Eine Umrundung des Waginger Sees bringt ca. 19 km, eine um den Tachinger ca 14 km mit sich. Doch wie gesagt. Es gibt sehr viel schönere Ecken für die es sich lohnt die Laufschuhe anzuziehen. Und jetzt vorwärts: Butter laufen 😉

Kochel- und Simssee

Zwei weitere Seen wurden umrundet. Das Ende der Bavarian Lake Challenge (BLC) rückt näher. Es sei jedoch erwähnt, dass der Kochel- und Simssee an verschiedenen Tagen umrundet wurden.

Der Kochelsee gehört aufgrund seiner ca. 15 km nicht zu den Top 10 und somit nicht zur eigentlichen BLC. Die Kombi den See zu umrunden und dann den nahegelegenen Herzogstand zu erklimmen löste allerdings einen gewissen Reiz aus. Eingesäumt vom Alpenpanorama macht der Kochelsee durchaus etwas her. Auch entlang der Wegstrecke bemerkt man wo man ist. Schöne Fels- und Waldtrails warten auf einen. Zudem sammeln sich nicht all zu viele Menschenscharen um ihn, da die Zahl an Biergärten oder sonstigen Verweilmöglichkeiten eher überschaubar ist. Eine davon wäre allerdings das Örtchen Schlehdorf. Ebenfalls eine Marke auf der Wegstrecke ist das Wasserkraftwerk Walchensee, an welchem man unweigerlich vorbeiläuft. Witzig ist der Weg unter das Erholungszentrum in Kochel (Therme) hindurch. Während die Saunagänger bei einer Zigarette die Aussicht genießen führt direkt durch die Therme ein kleiner Tunnel. Man darf eine schöne Tour um den See genießen.

Direkt am Kochelsee führen auch schon Wege zum Herzogstand. Ich fuhr jedoch hoch bis zu den Serpentinen, die dann bereits zum benachbarten Walchensee führen. Die Wetterlage war im März recht abstrus. Während am Kochelsee kein einziger Schneehaufen zu sehen war, war der Weg hinauf zum Gipfel ab dem ersten Meter von Schnee überzogen. Wandert man den Weg hinauf sind laut Wegweiser ca. 3:45 h nötig. An den Pfaden entlang gibt es immer wieder ein paar Schilder, die mit Texten von König Ludwig II. versehen sind. Vor allem beim Anfang ist das durchaus nicht verkehrt, da die Aussicht noch etwas zu wünschen übrig lässt. Ab einer bestimmten Höhe darf man sich dann aber an ihr laben. An ein paar Stellen hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Kochelsee. Wenn man diesen zuvor umrundet hat, ist dieses Bild gleich nochmal so viel Wert. Der Weg selbst nimmt ebenfalls an Pracht zu. Oben wartet dann noch ein Wirtshaus, in dem man sich für seine Mühen noch belohnen kann. Ca. 40 Gehminuten mehr, darf man dann ein Foto mit dem Gipfelkreuz machen. Bei entsprechender Wetterlage ist die Aussicht phänomenal. Ich selbst hatte aber auch schon des Öfteren Nebelbänke vor dem Gesicht. Spaß macht es trotzdem. Hoch und runter sind es für Läufer auch nur knapp zwei Stunden, weshalb man sich oben also Zeit lassen kann. Vor allem das „Hinuterrennen“ hat mir viel Freude bereitet.

Nun zum Simssee. Dieser ist nur 8 km vom Chiemsee entfernt. Bei diesem See verwundert es etwas, dass es trotz seiner 18 km lediglich 2-3 Möglichkeiten gibt die Idylle bei einem Bierchen zu genießen und die Füße ins Wasser zu stecken. Dieser Bereich, der im Örtchen „Simssee“ (grünes Ortsschild) liegt, ist es allerdings wert einen Ausflug dorthin zu machen. Der Rest des Westufers macht dann zum Laufen allerdings nicht so viel Freude. Es mangelt an schönen Spots. Am Nordufer angekommen steigt der Funfactor aber stark an. Am Nordteil selbst ist ein Vogelschutzgebiet. Hier hat man die Möglichkeiten auf einen kleinen Aussichtsturm zu steigen und die Aussicht über ein Fernrohr (kostenfrei) etwas näher zu betrachten. Weiter geht es dann zur einzigen Campinganlage. Dort kann man sich dann entscheiden ob man einen steilen Stufenpfad hinauf zur „Häuseransammlung“ Hirnsberg steigen möchte. Der Pfad ist sehr wurzelreich. Man sollte trittsicher sein. Da ich meine Oberschenkel trainieren wollte habe ich logischerweise diese Chance ergriffen. Ist man oben angekommen fragt man sich ggf. weshalb man die Mühen auf sich genommen hat. Optischee Highlights: Fehlanzeige. Wer aber Spaß am Sport hat, der kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Ich würde es wieder machen.

Ist man wieder beim Campingplatz, so darf man sich auf den besten Teil des Sees und des Ostufers freuen. Man betritt, wie ich es ab jetzt nenne, „the maze“ (das Labyrinth). Es führen mehrer Trampelpfade durch den Wald. Allerdings wird diesmal auf Wegweiser komplett verzichtet. Bereits bei meiner ersten Umrundung habe ich mich verlaufen und diesmal erging es mir nicht anders. „The Maze“ sollte man nur mit gutem Schuhwerk und Navi betreten. Die Trampelpfade sind entweder von Wurzel durchzogen oder recht schlammig. Je nach Wetter sind die Wege also etwas abenteuerlich. Alle führen irgendwo hin. Entweder an einen Angelplatz oder an eine Anlegestelle für kleine Boote. An manchen Wegenden steht auch einfach nur eine Bank um etwas zu chillen. Wer Trailrunning mag, dem wird das Herz höher schlagen.

Irgendwann geht auch der größte Spaß vorbei und man ist durch den Wald durchgelaufen. Er wird allerdings durch ein schönes Schilfgebiet ersetzt durch welches man hindurchlaufen darf. Hat es davor viel geregnet besteht allerdings Hochwassergefahr. Am Ende dieses Areals wartet dann auch das Ende der Seerunde. Man ist wieder am Badeplatz ankommen.

Fazit: Der Simssee ist durchaus „im letzten Eck“ Bayerns gelegen. Auf dem Weg zum Simssee fährt man am Tegernsee, Chiemsee und noch so vielen anderen schönen Plätzen vorbei. Die Fahrtzeit könnte man also stark verkürzen und in Erholungszeit umwandeln. Wer aber in der Nähe ist oder einen längeren Ausflug in dieser Ecke macht, der kann hier durchaus einen Tag verbringen.

Nun ist es auch mal wieder Zeit danke zu sagen. DANKEEEE an die Spender, die mein WWF-Projekt aufgepimpt haben. Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut. Nach der ein oder anderen Lauf-Aktion motiviert es noch mehr, wenn man benachrichtigt wird, dass jemand etwas in den Klingelbeutel für die Natur geschmissen hat. Nochmals: Vielen herzlichen Dank!

Backyard – Kuhsee 100

Wochenende für Wochenende jagt ein Event das nächste. Doch mit diesem habe ich am 21. März einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. Lediglich zur Vorbereitung auf mein diesjähriges Mainevent wollte ich einmal einen Backyard laufen. Dies ist ein bestimmter Rennmodus. Dabei hat man stets eine Stunde Zeit um genau 6,7 km zu laufen. In der übrigen Zeit dieser Stunde, kann man machen was man möchte. Ist die Stunde abgelaufen, müssen die 6,7 km erneut absolviert werden. Dieses Spiel wird wiederholt und wiederholt und wiederholt. Normalerweise spielt man es mit mehreren Läufern bzw. Teilnehmern. Sollte ein Läufer länger brauchen ist er ausgeschieden. Ist er zu platt um die nächste Runde zu beginnen… richtig! Ausgeschieden. Es gibt hier kein „der Schnellste“. Es geht um Ausdauer und Durchhaltevermögen. Das Rennen dauert so lange bis nur noch ein Läufer übrig ist und er noch eine weitere Runde schafft. Gewöhnlich kann man schon bis 24 h plus rechnen, bis solch eine Veranstaltung beendet ist. Ganz so extrem wollte ich es nicht, zumal ich eben auch keine „Gegner“ hatte. Nur mich und meinen Schweinehund. Direkt am Kuhsee konnte ich mein Auto abstellen. Dort sollte mein Rast- und Verpflegungsplatz sein. Meine 6,7 km bestanden aus einer vollständigen Seeumrundung, den Weg über den Hochablass zum Olympia-Kanu-Center und einer weiteren Umrundung des Sees. Das Ziel war es die 100 km zu knacken. So viel bin ich am Stück noch nie gelaufen.

Um 17 Uhr war Startschuss. Gleich nach der ersten Runde kam dankenswerterweise eine Kollegin vorbei und feuerte mich an. Danach war ich auf mich allein gestellt. Bis 20 Uhr war noch einigermaßen Betrieb. Ein paar Grüppchen, die das Zuckerfest in toller Tracht feierten, ein paar Früh(lings)-Griller und der ein oder andere Fußgänger, die meinen Weg säumten. Das war es dann aber. Danach wurde es langsam dunkel und leer. Lediglich das Bootshaus (Restaurant) leuchtete aufgrund einer Feier bis ca. 3 Uhr. Gegen 22 Uhr wurden schon ein paar Kilometer gelaufen und es stellte sich ein Rhythmus ein. Für einen Durchlauf brauchte ich ca. 40 min. Dann wurde 5 min gedehnt und parallel gegessen und getrunken. 10 min. Powernapp und 5 min. um sich wieder Laufsachen, Kopfhörer usw. anzuziehen. Die Wirksamkeit der Snacks standen bei meinem Vorhaben ebenfalls auf dem Prüfstand. Was kann man denn noch ohne Probleme um 2 Uhr essen? Bei 15 Stunden laufen, ist es durchaus geboten, dem Körper etwas Brennholz zu geben. Meine Einkäufe bestanden aus Nudeln, Gebäck, Gummibärchen, Powerriegeln und Gels. Und ja, das hat super geklappt. Ein paar Bissen jede Runde waren ausreichend und haben echt gut getan.

Um Mitternacht war dann der erste Meilenstein gesetzt. Die Marathondistanz wurde absolviert. Die Zahl der Fußgänger und Radfahrer konnte ich mit einer Hand abzählen. Da es noch Mitte März war, stellten sich auch sehr niedrige Temperaturen ein. Der Powernapp war nur noch mit Schlafsack möglich. Statt Nudeln wurde auf einen Proteinriegel umgestellt, für den ich drei Runden brauchte, bis er weg war. Um 2 Uhr war es dann so weit. Wie immer bei Langdistanzen stellt sich ein Tief ein. Die Motivation ging gegen Null. Das Auto, mein Pausencenter, nahm nach und nach den Zustand einer Tropfsteinhöhle ein und dennoch war es bitter kalt. Neben dem Schlafsack musste auch noch die Winterjacke herhalten. Alleine die Strecke zu absolvieren machte auch nicht richtig Spaß. Zum Glück hatte ich meine Kopfhörer, die im Kopf abgespeicherten Anfeuerungsrufe meiner Freundin und die Gewissheit, dass die Runde relativ schnell erledigt ist. Was auch half war, dass ich mich zu Beginn sehr weit aus dem Fenster lehnte und bereits mein 100 km-Vorhaben an die große Glocke gehängt habe. Nach 67 km (10 Durchgänge) war das größte Tief vorbei. Das neue Ziel war, zumindest einen halben Tag (12 h) durchzuhalten. Und zack, bekam ich eine Unterstützung nach der anderen. Schon um 4 Uhr zwitscherten die ersten Vögel und ich sah Rehe beim Grasen. In der nächsten Runde gab es einen Hasen zu sehen und danach auch noch einen Biber, über den ich mich am meisten freute. Wann hat man schon einmal einen wilden Biber gesehen? Drei Meter vor meinen Füßen kreuzte dieser in aller Ruhe meinen Weg. Es wurde heller und heller. An die 12 h-Marke konnte ich einen grünen Haken machen.

Noch 21 km. Drei Runden. Das erschien nun total machbar. Mein Hunger meldete sich und wollte endlich etwas von dem Schokocroissant, den ich dabei hatte. Zur Dämmerung und den bisherigen Anstrengungen ein wahrer Hochgenuss. Das Tief… hatte ich überhaupt jemals eines? Weg war es. Und um 7:45 Uhr war es dann soweit. 100 km: Geschafft! Ein tolles Gefühl stellte sich ein, obwohl ich allein gelaufen bin. Keine Medaille, kein Zielfoto, aber große Zufriedenheit. Alles hat sehr gut geklappt. Aus dem Motivationsloch rausgekommen war ein großes Anliegen. Die Füße haben mitgemacht. Das Dehnen und Nappen haben dabei mit Sicherheit ein großen Teil dazu beigetragen. Klar zwicken die ersten Meter jeder Runde etwas in den Beinen, doch das ging sehr schnell vorbei. Mit der Verpflegung über Nacht hatte ich auch keinerlei Probleme. Und der letzte Baustein: Gedanklich beeindrucken die Ultra-Distanzen immer weniger. Es bleiben viele Kilometer, jedoch löst die Vorstellung einen 60 km-Run zu joggen keine Gräuel mehr aus.

Fazit: So ein Backyard ist wirklich spannend. Wie Eingangs beschrieben geht es darum durchzuhalten. Viele Dinge können dabei helfen ein positives Mindsetting zu erhalten. Es war eine echt tolle Erfahrung und man lernt sich wieder besser kennen. Was spricht man nur in den Raum hinein und was macht man dann auch wirklich? Auf solche Fragen bekommt man hier definitv eine Antwort. Alleine werde ich sowas dennoch eher nicht mehr machen. Der Zeitaufwand ist schon recht hoch, selbst wenn man die 100 km nicht im Backyard läuft. Zudem ist es alleine auch etwas trist. Solch einen Rennmodus jedoch gegen andere auszutragen, um zu vergleichen, wie gut man die Zähne zusammenbeißen kann, hört sich allerdings sehr verlockend an. Und zu sehen, wie die Größe der Laufgruppe dahinschmilzt, stellt bestimmt ebenfalls eine enorme Motivation dar. Für Ultraläufe muss man viel geben, man bekommt aber ebenso viel zurück. Auch wenn die Füße erst einmal leiden, so haben diese Läufe großen Einfluss auf Brust und Nacken. Beides, Brust und Kreuz, werden nämlich nach dem Erfolg vor Stolz um einiges breiter. Viel Spaß bei euren nächsten Laufabenteuern. Time 2 Play!

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