Nach dem dritten Anlauf hat es endlich geklappt. Ich durfte ein Mountainman werden. Im ersten Anlauf musste ich fiebrig im Bett den Anderen den Spaß lassen und bei Versuch zwei musste der Veranstalter das Rennen kurzfristig absagen (es beschwerten sich zu viele Anwohner). Doch zurück zum Rennen. Hinter dem Mountainman steht eine ganze Serie an Trailläufen, die allesamt durch die Berge führen. Ca. sechs Mal im Jahr hat man rund um die Alpenländer die Möglichkeit ein Rennen zu genießen. Bei mir war es der Wintertrail in Reit im Winkl. Die Größe dieser „Marke“ merkt man schon am Merchandise, der außerordentlich guten Streckenmarkierung und dem Ambiente im Start- bzw Finisherbereich. Letzter befindet sich direkt hinter dem Festsaal des Ortes. Manch einer, so auch ich, würde sagen: „Krass, die haben den ganzen Festsaal, also die Stadthalle, von der Stadt bekommen.“ Der Saal ist aber größentechnisch eher das Bierlokal für den ansässigen Fußballverein. Dennoch hat es einen gewissen Charme und passt total in die Alpenwelt hinein. Direkt am dahinterliegenden Fußballplatz war der Startbereich für alle Distanzen. Da die Wegstrecke die meiste Zeit jedoch sehr schmal ist, starten die Distanzen zeitversetzt. Und schon am Start darf man dann das erste Detail genießen (bzgl Genuss hat der Mountainman viel zu bieten): Man startet auf einer Langlaufstrecke. Endlich mal wieder ein neues Terrain. Ein großer Teil des Rennens hatte diese Langlaufstrecke als Untergrund. Der Moderator heizte uns mit Musik und Sprüchen noch etwas ein und die Motivation befand sich auf dem Höchststand. 3… 2… 1… los!





Vor dem Rennen musste man einen Sicherheitscheck durchlaufen. Jeder Läufer benötigte ein Erste-Hilfe-Set, genug zum Trinken, einen Tracker und noch vieles mehr. Ein Laufrucksack war also unumgänglich. Bei Trailläufen ist das ganz normal. Wie gesagt ist die Strecke jedoch umwerfend gut ausgeschildert und auch an der Verpflegung mangelte es nicht. Dennoch gab es Tücken. Anfang März… Winter! …Möchte man meinen. Das Wetter war allerdings bombastisch. Sonnenschein und zweistellige Plusgrade. Man hatte Bock zum Laufen! Wie zieht man sich aber nun für einen Trail-Marathon (ja, ich habe die XL-Variante gewählt) im Schnee bei Frühlingstemperaturen am besten an? Zu kalt: Der Körper braucht mehr Energie zum heizen und zum Schluss erkältet man sich. Zu warm: Man schwitzt zu viel und verliert zu viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Wie meistens war ich eher in der zweiten Kategorie zu finden. Die eigentliche Materialschlacht fand allerdings beim Schuhwerk statt. Bei ca 1600 Höhenmeter lohnen sich Überlegungen zu diesem Thema. Berg, Schnee, Eis, Trail. Welches Profil verwendet man? Legt man sich gleich die Grödeln (Schneeketten für Schuhe) an oder wartet man? Reicht der eigene Schuhbelag? Bzgl der Schuhwahl habe ich meinen Icebugs wieder das Vertrauen geschenkt. Diese Schuhe haben Spikes schon integriert, die sich je nach Untergrund von alleine ausfahren. Und wie auch bei den anderen Läufen in Grönland und Russland, haben sie mich nicht enttäuscht. Die Läufer, die sich für ihre normalen Trailschuhe entschieden haben, hatten z. T. große Schwierigkeiten nicht auszurutschen. Die Teilnehmer, die mehr mit der Kamera, als mit der Strecke beschäftigt waren, machten des Öfteren schöne Schlitterfiguren. An den Stellen, an denen die Strecke vereist war, legten die Trailschuhe Schrittgeschwindigkeit ein. Ging es bei der Strecke auch noch bergab, mussten die Läufer die unebenen Gräben am Streckenrand verwenden. Der Downhill-Bereich? Ohne Grödeln keine Chance. Hier war durchaus die Verletzungschance gegeben. Ich hatte jedoch Glück. Mit meinen Schuhen konnte ich im ersten Streckenteil wie auf Teer laufen. Vor allem der Downhill-Teil machte sehr viel Spaß, da ich blindlinks runterrennen konnte. In der zweiten Hälfte wurde die Strecke sehr viel sulziger. Dies fühlte sich dann teilweise so an, wie im Sand zu laufen. Die Icebugs griffen nicht mehr ganz so gut und auch die Trail-Stöcke stachen nun durch die Schneedecke durch. Bzgl Sicherheit und Tempo hatte ich trotzdem eine gute Wahl getroffen.









Neben dem Terrain muss ich aber auch über eine zweite Sache schreiben: Die Verpflegung. Außer beim Medoc-Marathon, gab es für mich bisher noch keine bessere. Neben den gängigen Riegeln, Nüssen und Obstschnitzen usw. gab es auch Blaubeer-Pfannkuchen, Kaiserschmarrn, Apfelkuchen und Gemüsepflanzerl. Die Motivation zur nächsten Versorgungsstelle zu kommen war riesig. Zudem gab es diesen Gaumenschmaus auch zumeist an irgendwelchen Berghütten. Ein wunderschönes Ambiente zum Genießen! Die Schwierigkeit lag hier einzig und allein sich nicht zu „überfressen“.







Sehr positiv hervorzuheben war, dass jeder Läufer selbst eine Trinktasse dabeihaben musste. Die Müllmenge wurde dadurch stark reduziert und die Möglichkeit für die „sehr Ambitionierten“ Zeit zu sparen, indem man seine Pappbecher einfach in den Wald schmeißt statt in den Eimer, ging gegen Null. Außer der Kaiserschmarrn ging jede Versorgung blank auf die Hand!
Zurück zum Rennen. Dieses wird in mehrere Streckenlängen unterteilt. Von der einstelligen Kilometerzahl bis zu 42+ gibt es alles. Und dies mal zwei. Warum? Es gibt auch eine Hundekategorie, in der Läufer ihren vierbeinigen Partner mitnehmen können. Doch keine Angst, die Hunde hören sehr sehr gut auf das Wort des Frauchens/Herrchens und sind es allesamt gewohnt, sportlich diese Strecken zu absolvieren. Dies habe ich jedenfalls bei diesem Event so wahrgenommen. Ich musste auch kein einziges Mal angst haben über eine Leine zu stolpern. Die Hunde liefen wie selbstverständlich stets vor ihrem Besitzer. Der Laufweg wurde einem also nie versperrt. Funfact: Wer bei einer Mountainman-Veranstaltung mitmacht sollte genau auf die Art des Riegels achten, denn es gibt auch Proteinriegel für Hunde =) Dem breiten Laufangebot muss allerdings auch etwas Tribut gezollt werden. Im letzten Drittel war die schmale Strecke relativ voll. Man muss sich gut überlegen, wann man den nicht so sulzigen Untergrund verlässt und zum Überholen beschwerliche Schritte durch tieferen Schnee steigt.

Doch alles nimmt einmal ein Ende, auch wenn das Ende 42 km weit weg ist. Wer Spaß am Laufen hat muss unbedingt einmal bei einem Mountainman mitmachen. Die Streckenführung und die Umgebung sind super. Es wird sich um alles gekümmert, nur joggen muss man selber. Man läuft sehr zufrieden durch das Ziel. Probiert es selber mal aus. Die Mühe ist es wert. Aroo!














