Auf meinem Trainingsplan nimmt die Zahl der langen Einheiten stetig zu. Wer die Ü30-Marke (km nicht Alter) überschreitet, dem ist bestimmt auch schon einmal der ein oder andere Seufzer bei dieser Länge entfahren. Immer und immer die gleichen Kilometer. Ich bin daher für die Bavarian Lake Challenge (BLC) mega dankbar, denn diese langen Einheiten machen mit so einer Seenrunde wirklich Spaß… wenn das Gewässer und die Umgebung schön sind. Naja, wenn nicht, dann auch ;-). Dann ist es einfach ein kleines Abenteuer.
Zuletzt stand der Brombachsee als Nr. 4 auf meiner Liste. Diesen kann man eigentlich in zwei Seen einteilen. In den großen und kleinen Brombachsee. Obwohl es auf dem Weg dorthin und am See selbst viele weiße Stellen gab, so nistete sich in meinem Kopf ein klares sommerliches Bild ein. 1-2 Tage am Brombachsee chillen. Ein Mini-Urlaub. Und dieser See gibt alles dafür her. Kurz bevor man den See erreicht, erwartet einen schon bei Pleinfeld eine Sommerrodelbahn. Bei Ramsberg gibt es dann genug Parkplätze am See. Einer der Vorzüge des Sees ist, das dass Ufer nahezu vollständig für jedermann gedacht ist. Überrall kann man einen Fuß ins Wasser setzen. Das Seeufer ist zu einem sehr großen Teil mit feinem Sand aufgeschüttet, wodurch eben dieses italienische Urlaubsfeeling im Kopf Einzug hält. Wer nicht nur baden möchte, der kann sich auch ein E-Bike mieten oder eine kleine „Kreuzfahrt“ mit dem Schiff machen. Im regelmäßigen Abstand stehen dann Cafés und Kioske zum Einkehren bereit. Sprizz vielleicht? Zu gerne, doch zur Winterzeit hat leider dass allermeiste geschlossen. Dennoch, die ersten Kilometer machen sehr viel Spaß. Man hat den Eindruck auf einer Promenade zu laufen. Auf der einen Seite der Strand und auf der anderen ein schöner Waldbereich. Den darumliegenden Gemeinden war es wohl wichtig, dass der See ein Erholungsgebiet ohne Wohnbereich ist. Das Gewässer macht den Eindruck, als ob es gerade erst kurz vor der Einweihung steht. Alles ist top gepflegt. Sobald ein Strand samt Café in Sichtweite ist, steht schon ein riesiges Schild mit dem Bild eines Kiosk-Betreibers und dem Spruch „Brombachsee müllfrei!“ da. Direkt darunter stehen schon die Mülleimer parat. Die Fotos der Betreiber sind dabei immer nett, z. T. mit Herzchen, und niemals mahnend. Das Konzept scheint aufzugehen. Auch die Kioskbuden selbst, machen was her. Man darf sich hier keine zusammengenagelte verwitterte Holzhütte vorstellen. Wie gesagt, hier herrschen Dolce-Vita-Vibes.
Ist man dann auf der Längsseite des großen Brombachsees entlanggelaufen darf man über eine Art Staumauer Richtung Allmannsdorf laufen. Das Ambiente ändert sich nicht nennenswert. Ggf. gibt es ein paar mehr Grünflächen, um auch mal sein Handtuch auszubreiten. Richtung Ottmansberg nimmt der See dann aber ein immer natürlicheres Erscheinungsbild an. Man läuft durch immer mehr Waldabschnitte und auch das Seeufer ist hier und da auch mal für die eigentlichen Waldbewohner und nicht für die Badegäste zugänglich. Nichtsdestotrotz herrscht immer noch eine 1a-Erholungsatmosphäre. Es gibt immer weniger bis gar keine Cafés mehr, wodurch es ruhiger wird.
Zwischen Ottmannsberg und der Staumauer, die den großen vom kleinen Brombachsee trennt, ist das Ambiente dann wieder wie bei Ramsberg. Über die Staumauer zu laufen ist jedoch schon ein kleines Highlight, da der Ausblick auf eben dieser wirklich toll ist. Durch die Mauerlänge von min. 1 km kommt ein tolles Panorama zustande. Hat man die andere Seite dann erreicht, kann man entweder die Runde Richtung Ramsberg beenden (ca. 16 km) oder sich noch den kleinen Brombachsee vornehmen (ca. 7 km).
Ich habe mich für den „Achter“ entschieden, also den kleinen Brombachsee mitzunehmen und dann ein zweites Mal über die Staumauer zurückzukommen. Der „Kleine“ hat einen anderen Charakter. Hier gibt es keine Sandstrände mehr, sondern einfach Gras. Bayrisch halt. An manchen Stellen durchläuft man auch Campinganlagen, die jedoch nicht wirklich störend sind. Trotzdem fiel mir eine nette Hinterlassenschaft auf, die mich an eine Redewendung erinnerte. „Den Ast auf dem man sitzt absägen.“ Für mich ist das nun eine sommerliche Redewendung. Das Bild, welches sich mir dargeboten hat, war wohl die winterliche Variante dieser Redewendung: „Um das Eis, welches einen trägt, pinkeln.“
Auch wenn hier bestimmt kein Männer-JGA Einzug gehalten hat, so fand ich die Vorstellung davon recht witzig. Zurück zum See und laufen… Wer Interesse am Camping hat, dem kann ich den Campingplatz bei Absberg empfehlen. Tolles Gelände, gute Verköstigung und auch eine Wakeboardanlage. An dieser ist auch eine spezielle Area für Konzerte und chillige Bierverkostung angelegt. Dieser Bereich gefiel mir gleich so gut, dass ich die Strecke zweimal gelaufen bin. Naja, vielleicht lag es auch daran, dass meine Komoot-Aufzeichnung 2,5 km zuvor angehalten hat. Die musste ich natürlich für eine schön geschlossene blaue Aufzeichnungslinie auf der App nochmal zurück. 5 km extra also. Als ob das nicht genug gewesen wäre: Genau dieser Streckenabschnitt ist so ziemlich der einzige, an dem eine Landstraße vorbeiführt. Nicht all zu schlimm, im Vergleich zur restlichen Wegstrecke jedoch ein „Downgrade“. Bei der Absberger Campinganlage befindet man sich schließlich am Ende des Sees. Die letzten Kilometer zurück zur Staumauer. Diese offenbaren einem keine Highlights mehr. Hauptsache Meter machen. Ein zweites Mal über die Mauer zu laufen ist allerdings schon ganz schön, da die Location drumherum ein schönes Antlitz bietet. Und dann geht es zurück Richtung Ramsberg. Der Weg bis dahin ist auch eher nochmal etwas mehr bewaldet und man tritt wieder in die Idylle des großen Brombachsees ein. Nach 23 km – wenn alles glatt läuft- ist man dann wieder da.
Insgesamt bin ich schon vor allem vom großen Brombachsee begeistert. Im Sommer möchte ich diese Stelle durchaus nochmal mit einem Glas in der Hand bestaunen. Auch zum Laufen kann ich die Strecke empfehlen, da sie sehr kurzweilig und schön ist. Da ich auf viele LäuferInnen gestoßen bin, scheint es nicht nur mir so zu gehen. Probiert es doch selber mal aus. Wem diese Streckenbeschreibung nicht so zusagt, der schaut die nächsten Tage nochmal auf meine Homepage. Als nächstes geht´s nämlich zum Tegernsee!
Leider fiel ja der Mountainman bei Mittersill ins Wasser, da er plötzlich von den Anwohnern geächtet wurde und so vom Veranstalter abgesagt werden musste. Der Chiemsee erschien mir nun ein guter Ersatz zu sein. Um einen See herumzulaufen bringt zwar so gut wie keine Höhenmeter ein – der Mountainman hätte ja mehrere 1000 gehabt – jedoch wollte ich dieses mit zusätzlichen Laufmetern ausgleichen. Die Umrundung des größten Bayernsees stellt ja einen Ultramarathon dar.
Eingestiegen bin ich kurz vor Prien (kostenlose Parkplätze =) ). Der Weg führte mich dann zur allseitsbekannten Dampfer-Anlegestelle. Bis dahin musste man schon wissen, dass man an einem See entlangläuft, denn die Sicht auf eben diesen blieb verborgen. Kurz nach der Anlegestelle wollte sich mir auch hier der See nicht preisgeben. Er mag zwar der Größte in Bayern sein, jedoch scheint er nur für ein ausgewähltes Völkchen, den Anwohnern, zugänglich zu sein. So hatte ich eher den Eindruck durch ein Musterhausgelände zu joggen, als am Gewässer entlangzulaufen. Insgesamt wurden der Chiemsee und ich nicht so richtig warm miteinander, was nicht nur an den Temperaturen um den Gefrierpunkt lag.
Dann endlich, ging es aufwärts mit unserer Beziehung. Ich bekam eine bessere Aussicht und auch die Wander- bzw. Feldwege führten durch mehr Natur. Das ständige Auf-das-Handy-schauen wurde seltener, da sich die Wege weniger verzweigten. Doch genau diese hatten es in sich. Durch die Schneemengen der letzten Wochen glich der Weg eher einer Eislaufbahn. Sobald die Schuhsohlen nicht senkrecht auf dem Boden auftrafen oder sich abstießen herrschte große Rutschgefahr. Naja, so blieb man wenigstens im gemaßregelten Grundausdauer-Tempo. Manchmal sah man aber auch die eingefrorenen Fußabdrücke der Fußgänger. Was einerseits prima war, da man dann Profil hatte und sich abdrücken konnte, aber andrerseits sehr gut aufpassen musste um nicht umzuknicken. Trotzdem, dieser Teil machte wirklich am meisten Spaß. Bei Seebruck war es dann mit der Idylle vorbei und der Weg führte teilweise an Land- und Schnellstraßen vorbei. Allerdings gab es sehr einladende Cafés zu sehen, die jedoch – wer hätte es gedacht – so gut wie alle geschlossen hatten. Nach 25 km kam ich aber an eine schöne Anlegestelle, bei der man so ziemlich für sich war und genoss meine Pausenbreze. Wegen der Temperaturen blieb die Rest allerdings recht kurz.
Steelhammer On Ice„So weit das Auge reicht!“Pausenbreze
Der Rest, bis nach Chieming, ging wieder größtenteils am Strandweg entlang, welcher ab da 4 km von einer Schnellstraße begleitet wurde. Danach war wieder Ruhe. Das Grabenstätter Moor sagte hallo. Kein See mehr, aber schöne Landschaftseindrücke … und wieder vereiste Laufwege. Für den Fall, das man mir weinerliche Übertreibung vorwirft… ein Mountainbiker, der mich überholte, kam mir geschätzte zehn Minuten später wieder entgegen und warnte mich vor den Eispfaden. Für ihn sei das nichts mehr. Auch die Hundebesitzer wunderten sich, wie ich dieses Terrain zum Joggen verwenden konnte. Ab da war es dann geschafft. Der ansatzweise schöne Teil zumindest. Nach dem Moor, hatte ichzwar stets den See auf meiner rechten Seite im Blickfeld, zu meiner Linken bot sich allerdings die unbeschreibliche Aussicht auf eine Straße. Man nennt sie A8! Elf Kilometer lang. Welch´ wunderbares Ambiente um sich über die vollbrachte Marathondistanz zu freuen, die ich während dieses Abschnitts gelaufen bin. Als ob mich der See noch irgendwie beschwichtigen wollte, durfte ich die finalen Kilometer nochmals durch grünes Gelände laufen. Aus Angst, wieder in Sackgassen zu joggen, wie beim Forggen- und Staffelsee, vermied ich es diesmal, die Landzungen des Sees zu erkunden. Diese Angst sparte ordentlich Kilometer ein. Leider!? 300 Meter lief ich dann zusätzlich aus Trotz, denn ich wollte zumindest die eine Zahl auf meiner Uhr sehen. 50. 50 Kilometer waren es um den Chiemsee herum. Ein netter kleiner Ultramarathon.
Marathon geschafftSeestein gefunden
Fazit: In der Winterzeit macht der Chiemsee nicht viel her. Im Sommer, an Strandkaffees und Kioskbuden, kann man vereinzelt das Ambiente des Sees genießen. Man muss aber danach suchen. Als Challenge war der Chiemsee eine tolle Hürde, für die Aussicht gibt es jedoch sehr viele schönere Seen, an denen man sich erfreuen kann. Mal sehen, was der große und kleine Brombachsee zu bieten haben. Bis dahin: Let´s fetz!
Huiuiui, jetzt war es lange ruhig. Gab es nichts mehr zu schreiben? Doch! Sicherlich! Jedoch habe ich die Zeit für das Laufen benötigt. Stolz wollte ich über meine Teilnahme beim Mountainman bei Mittersill berichten. Schon zum Jahresbeginn von 2025 stand es auf meiner Liste endlich ein Mountainman zu werden. Zu dieser Zeit hielt mich jedoch Fieber davon ab. Nun, am 17. Januar ´26, sollte es dann 42 km über Skipisten gehen. Leider hatten dann doch ein paar Anwohner plötzlich etwas dagegen, weshalb das ganze Rennen abgesagt werden musste. Zum Glück ist der Mountainman mittlerweile ziemlich etabliert und bietet im Jahr mehrere Veranstaltungen an. So ist es mir möglich gewesen einen dritten Versuch zu wagen. Am 7. März geht es bei Reit im Winkl durch die Berge. Diese Events haben durchaus einen gewissen Schwierigkeitsgrad. Nein, nicht weil ich das sage, sondern weil diese auch eine UTMB-Index-Wertung haben (Ultra-Trail-Mount-Blanc). Bei den Ultra-Trail-Meisterschaften auf dem Mount Blanc kann man nämlich nicht einfach so mitmachen. Man muss sich durch Punktsammeln dafür qualifizieren. Der Mountainman ist eines der Rennen, bei denen das geht. Das spricht für die Qualität und den Anspruch dieser Rennen. Bleibt zu hoffen, dass die Teilnahme diesmal endlich funktioniert.
Doch was soll ich genau jetzt machen? Ich bin fit und habe die letzten Monate nicht nur auf Plätzchen, sondern auch auf meine Zähne gebissen. Ich. Will. Ein. Rennen. Im Januar gibt es davon allerdings nicht wirklich viele. Kurzerhand habe ich mich nun dazu entschieden eine Challenge, die ich vor mehreren Jahren zum Spaß schon einmal angegangen bin, nun „seriös“ zu absolvieren. Es handelt sich dabei um die Bavaria – Iron Lake Challenge (Link). Hier gilt es, die größten bayrischen Seen innerhalb eines Jahres zu umrunden. Die Zeit ist egal, nur müssen die Seen am Stück umlaufen werden.
Während der Corona-Zeit, als keine Rennen stattgefunden haben, verhalf mir diese Challenge zu sehr schönen Bildern und Augenblicken. Damals hatte ich mich aber nicht offiziell angemeldet und habe auch nicht alle Seen umlaufen. Zum Jahresende bzw. zum -beginn bin ich auch schon zwei Seen angegangen, die gut in meinen Trainingsplan gepasst haben. Wie schon beim letzten Mal, war am Forggensee (33 km) der Challenge-Start. Zuletzt umlief ich den wunderschönen Staffelsee (22 km), der wirklich sehr für eine Einheit zu empfehlen ist. Nicht nur, dass ein großer Teil direkt am Ufer liegt, nein, man läuft auch durch schöne Moor- und Waldgebiete (auf die Natur wird dabei natürlich Rücksicht genommen!). Je nach Jahreszeit, kann man sich nach dem Lauf direkt an einem Kiosk ein schönes Getränk gönnen und sich zur Erfrischung in die Fluten stürzen. Anfang Januar war mir das aber etwas zu kalt. See Nummer drei auf meiner Liste wird nun mein Mountainman-Ersatz. Die fehlenden Höhenmeter gleiche ich durch Wegstrecke aus. Am 17. Januar werde ich den Chiemsee mit weit über 50 km umlaufen. Quasi ein weiterer Ultra-Marathon. Der Chiemsse tront unter den Bayern-Seen somit auch Platz 1, was die Lauf-Kilometer angeht. Das macht Laune, das macht Lust.
So früh zu den Jahreshöhepunkten zu kommen ist aber durchaus schade. Wenn es Jahreshöhepunkte wären. Ich freue mich sehr auf diese Events, jedoch werden sie nur Trainingseinheiten werden. In diesem Jahr feiere ich nicht nur mein 10-Jähriges als Marathonläufer, sondern auch meinen 42. Geburtstag. „42? Das ist doch nichts besonderes.“, wird vielleicht salopp ein mancher sagen. Ich antworte darauf: „42! Alter! So wie die Kilometer beim Marathon!“ Grund genug in diesem Jahr was richtig großes rauszuhauen. Einen weiteren Ultra und eine weitere besondere Langdistanz. Beim Ultra soll es dann dieses Mal ins Dreistellige gehen. Interessiert? Neugierig? Dann stöbert wieder regelmäßig auf meiner Seite rum, denn jetzt wird erst einmal der Chiemsee umrundet ;-). Mehr zum eigentlich Hauptevent in diesem Jahr gibt es ein anderen Mal. Nun heißt es „let´s fetz!“. Lasst uns die Schuhe anziehen und dieses Jahr wieder viele schöne Meter sammeln.
Lange war es ruhig. Zeit mal wieder was zu Schreiben. Nachdem im August erst einmal zu 100 % Urlaub angesagt war, ging es im September schon gleich wieder in die Vorbereitung. Doch ein Ziel musste her. Da kam der „Hardy´s Halbmarathon“ in Landsberg am Lech gerade recht. Nach ca. eineinhalb Monaten trainingsfreier Zeit vielen die ersten Kilometer allerdings sehr schwer. Bereits ein schöner 10er brachte mich schon deutlich zum Schnaufen. Aber das ist ja das Großartige: Zum sog. „Saisonbeginn“ ist dieser Zustand nichts Neues. Gewohnheit ist nicht immer schlecht. Da hieß es eben einfach weiter zu machen. Leicht gesagt … und auch leicht gemacht. Bestimmt half es, dass ich vor Freunden den Mund etwas aufgerissen und die 1:40 h für den Halbmarathon ausgegeben habe. Da ich nicht als Schwätzer dastehen wollte, musste was passieren.
Vier Wochen vergingen und schon stand ich bei blauem Himmel, Sonnenschein und klasse Lauftemperaturen im Startbereich, der direkt vor dem alten Rathaus war. Eine tolle Atmosphäre. Viele Leute wollten ihre Laufhelden anfeuern. Und von denen gab es viele. Mit ganz eigenen Zielen. Dieser Stadtlauf bot neben dem Halbmarathon nämlich ebenso einen 10 km- und 5 km-Lauf an. Die Laufstrecke, die schön am Lech entlang und dann in die Altstadt führte, war insgesamt auf 5 km ausgelegt. Für die gößeren Distanzen gab es also Runden zu laufen. Bevor der Startschuss fiel, habe ich mich noch über das Für und Wider von solchen Runden unterhalten. Ein paar Punkte für das „Für“: Entlang von 5 km gibt es keine Zuschauerlücke. Es ist immer was los und diesmal hatten die Leute richtig Bock. Streckenposten, die sich die Kehle heißer geschriehen haben oder ihre „Power Up!“-Plakate akrobatisch darboten, strahlende Kinder die die Hände zum Abklatschen herausstreckten und freudestrahlend jubelten, Anwohner die zusätzliche Verpflegung anboten und hochmotivierte Trommelgruppen… es war klasse. Ein weiteres Pro solcher Runden ist, dass man sich die Strecke sehr viel besser vorstellen kann, die noch zu laufen ist. Da lässt sich die Pace, so geht es mir zumindest, sehr viel besser anheben, wenn man ein Bild im Kopf hat. Doch die Rückseite der Läufer-Medaille ist, dass es starke Unterschiede in den Laufniveaus gibt. Zwischen den Ich-Laufe-Spontan-Mal-Die-5km-Mit-Runner bis zu den hochtrainierten Halbmarathon-Athleten ist ein großer Spagat. Auf schmalen Strecken ist es da gerade am Anfang schwer seine Pace zu halten. Die „Spontanis“ wissen auch nichts von den heimlichen Grundregeln wie „Nicht Nebeneinander Herlaufen“ oder „Rechts Laufen, Links Überholen“.
Und doch sind wir genau an dieser Stelle, wo es wieder um die Helden geht. Es ist großartig zu sehen, wie die Tochter/Enkelin mit dem Opa die 5 km angeht oder Läufer mit (starkem) Handicap ihr eigenes Abenteuer bestreiten. Der Papa mit getuntem Kinderwagen darf auch nicht vergessen werden. Oder auch toll: Es nehmen Leute teil, die sich an den Zehner nicht hintrauen, jedoch gerne bei einem Fünfer dabei sind. Wenn man aufgrund von Verletzungen „downgraden“ und sein Ziel bzw. seine Zeit neu anpassen muss ist das mehr als sch…ade. So viele Mühe. So viel Zeit. Die ganzen Investitionen für die Katz? Und dann bestehen sie mit einer unglaublichh tollen Zeit. Alle haben was gemeinsam. Sie bekommen nicht nur die gleiche Medaille oder Laufshirt, sie sind alle STOLZ wie Bolle. Ein Abenteuer erfolgreich gemeistert oder die Zielzeit mehr als erreicht. Viele lachende und stolze Gesichter sind nach dem Ausschnaufen zu sehen. Ich selber war auch happy, denn als es mit 1:34 h durch das Ziel ging, war ich sehr verwundert, wie gut der Halbmarathon über die Bühne ging. Alles lief nach Plan und sogar noch besser. Schön, dass ich mit einem Erdinger auf den Erfolg anstoßen konnte. – An dieser Stelle möchte ich auch nochmal Manu beglückwünschen, der mit Verletzungsproblemen beim 10 km-Lauf gestartet ist und sein Ziel um beinahe fünf satte Minuten unterboten hat. Nochmal Prost und Glückwunsch!
… wir lieben L…aufen?
Mein Motor ist nun also warmgelaufen. Prima, nachdem es in die kalte Jahreszeit übergeht. Prima, dass wieder Lust da ist. Und prima, dass der Zweifel, dass neue Event gut zu bestehen, etwas verflogen ist. Das neue Event? Am 17. Januar geht es nach Mittersill (nahe Kitzbühel) zum Mountainman zur Marathondistanz. Doch von dem erzähle ich ein anderes Mal. Nun schnürt die Schuhe und ab die Post! Seid Stolz!
Nun ist das Abenteuer „Stubai Ultra“ schon wieder eine Woche her. Die Medaille ist im Regal aufgebahrt, das Finisher-Shirt in den Kleiderschrank verräumt und auch der Muskelkater hat sich verabschiedet. Zeit, das Rennen revue passieren zu lassen und euch davon zu berichten.
Pizza Nacionale – Freitag. Arbeit aus. Ab ins Auto und los ins Stubaital. Das Eventwochenende startet. Schon die ganze Woche war ich nervös. „Wird das alles klappen?“ Doch genau darin lag der Reiz. Mal wieder ein Rennen auswählen bei dem die Erfahrungswerte fehlen. Bauchkribbeln spüren. Schon der Weg zur Veranstaltung war wundervoll. Die Landschaft kann ich aus tiefster Überzeugung empfehlen. Egal ob Läufer, Wanderer oder Chiller… hier geht es einem gut. Nachdem die Unterkunft für die nächsten Nächte bezogen wurde, ging es gleich ins Dorfzentrum, in dem das Event stattfand. Das nächste Bauchkribbeln wurde ausgelöst, denn ich erhielt meine Startnummer. Um die Nummernausgabe herum waren Verpflegungsstände (Aperol Spritz und Pizza statt Wasser und Bananen) und eine Bühne aufgebaut. Der Start und Zieleinlauf gleich daneben. Eine tolle Atmosphäre. Die übliche Pasta-Party erfolgte in Form von Wertgutscheinen, die in den umliegenden Restaurants eingelöst werden konnten. Nach ein paar Anläufen haben meine Freundin, die mich begleitete, und ich einen schönen Italiener gefunden, bei dem wir oben auf einem Balkon Platz gefunden haben. Mit Blick auf den Zielbereich, durch den die Teilnehmer des Sunnenseit´n Trails (16 km) einliefen, ließen wir uns unsere Pizzen schmecken. Für mich neu: Pizza Nacionale (Spinat, Mascarpone und scharfe Spinat) Und wieder war es da. Das Bauchkribbeln. Zum Glück nicht von der Pizza, sondern vom Flair der Veranstaltung. Erste Bühnenproben, beim Rennen zusehen, die Leute beobachten. „Noch ein paar Stunden, dann ist es so weit!“
Start-Ziel-Bereich
Im Gänsemarsch – Der Laufdress war angezogen und die 3,6 kg-Pflichtausrüstung auf den Rücken geschnallt. Ein Parkplatz wurde mühelos aufgrund guter Zeitplanung gefunden und es blieb genug Zeit um sein Läuftäschchen abzugeben, zweimal auf die Toilette zu gehen und sich warm zu machen. Lediglich beim Gang in den Startbereich erhöhte sich der Puls etwas, denn die Pflichtausrüstung wurde tatsächlich bei jedem kontrolliert. Doch mir wurde rechtzeitig Einlass gewährt. Laufuhr ist bereit, MP3-Player ist bereit, ICH bin bereit, WIR alle sind bereit. 3… 2… 1… GO! Endlich. Mein großes Jahresevent startet pünktlich um 7:30 Uhr. Nach einer Schleife um das Dorf gelangten meine Laufkollegen und ich in den Wald wo sofort der erste leichte Anstieg erfolgte. Gerade recht um sich einzulaufen. Überpacen war nahezu unmöglich, denn der Weg war so schmal, dass nur selten zwei Leute nebeneinander laufen konnten. Auch als der richtige Bergaufstieg erfolgte musste man sich über nichts Gedanken machen. Einfach die Fersen des Vordermanns im Blick behalten. Der Speed war passend und fühlte sich wie im Training an. Die ersten 7 km bis zur Verpflegungsstation waren also großartig. An der Station selbst gönnte ich mir zwei Becher Wasser, einen kleinen Riegel und genoss die Aussicht. Bei einem Ultra-Marathon mit über 4200 hm geht es schließlich nicht um Sekunden und eben genau wegen der tollen Landschaft wollte ich ja u.a. auch hier mitmachen. Doch erst jetzt bemerkte ich, dass diese 7 km wohl schon etwas anstrengend waren. Nein, platt war ich noch nicht, jedoch klebte meine Läuferhose an mir, als ob ich ins Schwimmbecken gesprungen wäre. Die Temperaturen waren schon sehr hoch. Dennoch erfreute ich mich daran, dass ich über eine Stunde Vorsprung auf die Cut-Off-Time (wann muss man spätestens da sein) hatte. Zur ersten Bergspitze fehlte mir aber noch die Hälfte. Auf geht´s, weiter!
Kontrolle PflichtausrüstungGänsemarsch
Spaghetti mit Tomatensoße – Den restlichen Weg hoch zur Brennerspitze hatte man nun genügend Platz um auch einmal zu überholen. Oder überholt zu werden. „Super, die erste Spitze ist abgehakt. Jetzt geht es los mit Downhill. Da bin ich sogar noch besser.“ So waren zumindest die Gedanken kurz bevor ich den Weg hinunter sah. Fußballgroße Steine und Wurzeln die auf dem vielleicht 50 cm breiten Weg verteilt waren schränkten meine Geschwindigkeit doch beträchtlich ein. Zudem glich die Steigung eher einer Speedrutsche im Freibad. Die anderen hatten aber ja zum Glück die gleichen Probleme. Dachte ich. „Entschuldigung, darf ich mal?“, „Sorry, komme von links.“ Ein Läufer links vorbei, zwei Läufer rechts vorbei, noch einer Links uuuund nochmal von rechts. Ok. Klar, dass nach dem vorherigem Gänsemarsch jetzt das eigentliche Ranking beginnt. Wenn jedoch in aller Regelmäßigkeit ganze Laufgeschwader an einem vorbeiziehen, dann kratzt das schon am Ego. Der eigentliche Magenschlag war jedoch, mit welcher Leichtigkeit diese Läufer den Trail bewältigten. Wie Steinböcke sprangen sie den Weg trittsicher runter. Sobald ich nur ansatzweise versuchte meine Pace etwas zu erhöhen wurde ich sofort durch stolpern bestraft und war saufroh, nicht den steilen Hang murmelbahnartig runterzurollen. „Habe ich mir ein für meine Fähigkeiten passendes Event herausgesucht?“ Im Vergleich zu diesen Trailrunnern die ungeschönte Wahrheit: NEIN! Meine Skills entsprachen im Vergleich dazu wie die eines Kindes, dass stolz berichtet Spaghetti mit Tomatensoße gekocht zu haben, während der gelernte Gastrokoch ihm mitleidig lächend über den Kopf streichelt und das putzige Etwas lobt.
auf dem Weg zum ersten Abstieg
Wunsch erfüllt – Etws geknickt erreichte ich dann die zweite Verpflegungsstation. Diese heiterte mich dann etwas auf, da einige Leute lautstark unter Jubel uns Läufer in Empfang nahmen. Auch insgesamt waren alle Menschen, die nicht am Lauf teilgenommen haben, der Hammer. Jeder Einzelne, egal an welcher Stelle, zollte einem Respekt und Beifall. Noch bevor man einen Wanderer wahrnahm, stellt sich dieser schon auf die Seite um den Weg frei zu machen. Weltklasse. Nach Cola und ein paar Energy-Wasser-Mischungen ging es dann weiter die nächsten 1200 hm zum „hohen Burgstall“ zu erklimmen. Mein Vorsprung zur Cut-Off-Time war aber beträchtlich geschmolzen. Ein viertel Stünchen war noch übrig. Und die Steigung! 30 Minuten pro Kilometer. Wieder quer durch den Wald. Über Stock und über Stein, strahlt er sehr, der Sonnenschein. Ja, ich wollte es so. Ich wollte die Herausforderung. Doch Spaß hat es an dieser Stelle nicht gemacht. Man kommt scheinbar nicht vom Fleck. Und immer, wenn man glaubt, man hat den Anstieg geschafft, ging es nochmal am nächsten Hang weiter. Die Vegetation entschädigte mit ihren bunten Blumen nur geringfügig. „Ob ich das Rennen schaffe?“ Im Kopf sah ich neben meinem Namen die Platzierungsnummer schwinden und immer mehr ein DNF (Did Not Finished) dafür stark blinkend erscheinen. Gefühlsmäßig war ich in einem großen Loch. Am Tag zuvor sprach ich mit meiner Freundin noch über manche Berggipfel. „Siehst du den da hinten mit den Vorrichtungen für die Lawinen? Der ist ja krass weit weg. Und so weit oben. Wäre verrückt, wenn das eine der Bergspitzen für das Rennen wäre.“ Ihr könnt euch bestimmt denken, wo die dritte Verpflegungsstation war… Aber es ist schön, wenn sie zumindest direkt auf dem Gipfel ist. Doch beim genauen Betrachten des Streckenplans, welches bei mir erst an der Station selbst erfolgte, bemerkte ich, dass die Markierung auf der Karte 1-2 mm neben der Spitze war. Dies bedeute nochmals 20 Minuten Aufstieg. Zum Glück entschädigte die Aussicht. „Es war schön zumindest teilgenommen zu haben.“ Für mich war nicht die Frage „ob“, sondern nur noch „wann“ ich ausscheide. Der Weg hinunter lief aber sehr gut. Manchmal war der Weg zwar knifflig, doch zum Großteil super zu laufen. Endlich Geschwindigkeit. Endlich andere Muskelgruppen, die belastet werden. Endlich auch einmal ein, zwei Leute die ich überhole. Mein Vorsprung zur Cut-Off-Time blieb jedoch bei 15 Minuten. Und wie passend, wenn es eilt. Ein Läufer vor mir schreit auf und sinkt zu Boden. Kraaaampf! Mein Ehrgefühl sagt: „Vorbeilaufen ist voll daneben.“ Ich blieb also stehen und half. Ein weiterer Läufer versorgte den Kollegen noch mit Salztabletten und so ging es nach zwei Minütchen und einem guten Gefühl durch die Hilfeleistung weiter. Die Strecke war durch kleine Schildchen und Schleifchen markiert. Hier und da wäre ein zusätzlicher Wegweiser schön gewesen, denn ab und zu mussten wir Läufer uns beraten, welche Richtung wir nun einschlagen. Doof, wenn man an solch einer Stelle alleine ist und sich falsch entscheidet. Dies war auch 1-2 km vor der vierten Verpflegungsstation bei mir der Fall. Die Zusatzmeter waren nicht das Problem. Die Höhenmeter zurück und die vergeudete Zeit jedoch schon. Um 14:24 Uhr lief ich durch die Zeitmessung der Verpflegung 4 (Cut off: 15 Uhr). Und was nun noch besser tat als das Essen und die Getränke selbst, war die Nachricht des Helfers: „Wegen dem heißen Wetter wurde die Cut-Off-Time um 1:15 h verlängert.“ Vorsicht, Lawinengefahr! Sehr viele Steine vielen mir vom Herzen. Ich wusste, dass mir das reichen würde, um doch finishen zu können. Und noch besser, einer meiner Wünsche, als ich mich zum Ultratrail anmeldete, wurde erfüllt. Schon oft habe ich v. a. bei Ultraläufern gelesen, dass es während eines Rennens immer wieder vorkommt in ein Loch zu laufen. Diese Ultras laufen einfach weiter und irgendwann oder wegen irgendetwas löst sich dieses Loch wieder auf und sie befinden sich in einem Hoch. Und genau so etwas selbst zu erleben, sich selber aus so einem Tief zu ziehen, dass war ein großer Wunsch mir. Und auf einmal mit „… wurde um 1:15h verlängert. Ihr seid super in der Zeit.“ wurde dieser Wunsch erfüllt. Ich war nun sowas von auf der Stimmungsspitze und happy.
Zweite Spitze
Doping – Der restliche Weg hinunter war sehr sehr schön. Hier Bergseen zum Baden, dort kleine Holzkletterhäuser für Kinder und wo anders schöne Erlebnisspiele zur Wald- und Bergentdeckung. Mit dem Gefühl, die restlichen 25 km einfach nur noch abarbeiten zu müssen ging es gut und schnell zum Dorf hinunter. Mittlerweile befand ich mich auch in einer Art Laufgruppe. Ständig wurde ich von den gleichen Leuten überholt, die ich an der nächsten Kurve ebenfalls wieder eingefangen habe. Dies ging mehrere Male so, so dass man schon sehr genau herausgefunden hat, wer wo an welcher Stelle seine Stärken und Schwächen hatte. Sowas geht bei einem 10km-Lauf einfach nicht. Mir erschlossen sich immer mehr Besonderheiten eines Ultralaufs. Schön war auch die internationale Zusammensetzung dieser Gruppe. Ein schwedisches Laufpaar, ein Tscheche, ein Niederländer und Finne. Logo waren auch Ösis und Deutschis dabei. Den einzigen Einbruch, den ich lediglich zu überwinden hatte, war der meiner Laufuhr, die nur noch die Laufzeit anzeigen konnte und der meines Smartphones, welches einen leeren Akku meldete. Das Race-Tracking durch Dritte war daher nicht mehr möglich. Die fünfte bzw. sechste Verpflegungsstation im Dorf wartete auf mich (zuvor war noch aufgrund der Hitze eine Zusatzstation aufgebaut worden). Vielleicht 100 m vor dem Verpflegungsstopp nahm mich noch meine Freundin in Empfang und gab mir noch eine kleine Umarmung mit Kuss mit auf den Weg. Diese Form des Dopings kann zum Glück nicht nachgewiesen werden =). An der Station füllte ich dann nochmal meine Trinkblase auf und wappnete mich für den letzten Anstieg. Da sich dieser noch 8 km bis zur Spitze zog, wusste ich, dass das wieder eine spaßfreie Zeit werden würde. Es war nun 16:20 Uhr.
Der Mann aus Deutschland – Einfach abarbeiten. Es war nur die Frage, wann ich es überstanden hätte. Meine Playlist erbrachte gute Dienste. Drei Lieder und hupps, ein Kilometer war vorüber. Laut meiner Uhr. Genau, der Uhr, die mir zuvor anzeigte, dass das GPS-Tracking nicht mehr funktioniert. Nachdem mir die Uhr anzeigte, dass ich bereits 10 km geschafft habe, fragte ich mich, wie viele Zusatz-Km es noch werden. Zum Glück oder leider kam mir dann ein Wanderer entgegen, den ich fragen konnte wie weit es denn noch zum Gipfel sei. Die „es ist schon noch so eine Stunde“-Antwort hat mir gar nicht gefallen. Erst da wurde mir wieder klar, dass ich auf meine Uhr keinen Wert mehr legen musste. Der Weg zog sich. Erleichterung machte sich breit, als das Waldstück überwunden wurde. Und wurde zertreten, als ich den noch steileren und felsigeren Restweg sah. Als auch diese Serpentinen nach oben hinter mir lagen war ich… (richtg!) wieder erleichtert. Diese Erleichterung wurde… wieder zertrampelt. Der Weg änderte sich jedoch zumindest. Pflanzen wurden zu 100% von Geröll ersetzt. Juhu. Der Weg wurde noch steiler und ich musste meinen Kopf sehr in den Nacken legen um die anderen Läufer auf der Bergspitze zu sehen. Doch zumindest war sie nun endlich sichtbar. Diese letzte Spitze. Der „Zwölfnieder“ (2335 m) erwartete mich. Als der letzte Schritt auf die Spitze getan war gab mir der Bergwachtler die Sicherheit. „Höchster Punkt erreicht. Super! Jetzt geht es nur noch hinunter!“ Kurz genoss ich noch den Wahnsinns-Ausblick. Die Sonne war schon am untergehen. Auf der anderen Seite der Bergkuppe ging es dann im Schatten zum Abstieg. Die letzte Verpflegung war nur noch 2 km weit weg. Zum Glück, denn mein Getränkerucksack war leer. Mein Einlauf durch die letzte Station wurde wohl auch durch eine Kamera begleitet. Dieser erfolgte zwei Minuten nach der eigentlichen Cut-Off-Zeit und sorgte unten im Dorf bei meinem Fan für Sorgen, da sich die Verlängerung der Zeit im Dorf wohl nicht rumgesprochen hatte. Ich fühlte mich jedoch ganz gut. Die Strecke war ganz schön und Tim Bendzkos Song „Hoch“ sorgte für ein weiteres „Hoch“-Gefühl bei mir. Ich freute mich auf die letzte 8 km meines Abenteuers. Sogar meine Pace war mit ca. 6 min/km (je nach Beschaffenheit des Trails) noch sehr zufriedenstellend. So zufriedenstellend, dass sich kurzer Hand meine Zielsetzung noch änderte. Ich wollte zumindest so ins Ziel kommen, dass ich die Verlängerung nicht nötig gehabt hätte. Hop hop hop ging es mit diesem Ziel weiter. Meine Läufergruppe konnte ich größtenteils hinter mir lassen. Nachdem der Wald wieder hinter mir lag, war die Dämmerung schon im vollen Gange. Die letzten beiden Kilometer gingen noch um das Dorf herum. Kurz vor der Zielgeraden wartete noch ein Anstieg, von dem ich mich aber nicht mehr aufhalten ließ. Und dann hörte ich den Moderator: „Der Mann aus Deutschland. Nico Hirschbolz für nico-runs-4-nature.de … “ Meine Freundin winkte mir kurz vor der Finishline zu und dann … war es vorbei. 21 Uhr. Nach 13:30 h und nach enorm vielen Eindrücken durchschreitete ich die Ziellinie. 30 Minuten vor der ursprünglichen Cut-Off-Time. Alle Erwartungen wurden erfüllt. Das Ergebnis: Passt; Die Momente: Wundervoll und in sämtlichen Farben vorhanden; Das Gefühl beim Finishen: Endlich wieder Vollausschlag;
KameraGeschafft!
Happy End – Genau gegenüber des Zielbereichs warteten Sonnenliegen. Eine schrie lauthals meinen Namen. Als ich mich auf dieser niederließ durfte ich regelmäßig von dieser aufstehen, denn immer wieder liefen auch die anderen meiner „Laufgruppe“ durchs Ziel und wir beglückwünschten uns aus ganzem Herzen. Wie schön diese Laufwelt doch ist. Man läuft ganz klar miteinander. Auf dem ganzen Weg ist man füreinander da und hypt sich mit guten Zusprüchen. Bis zum Ende. Und da war es nun, das Ende. Mein Jahreshighlight. Würde ich es nochmal machen? JA! Solch einen Tag muss man erlebt haben. Eine ganz neue Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Im Vergleich zum Sieger, der nur knappe 8 h für die Strecke benötigte, ist meine Zeit zwar wenig spektakulär, jedoch muss man so etwas auch erst mal gemeistert haben. 59 km und 4280 hm laufen sich nicht von allein. Grund genug stolz auf sich zu sein. Und dennoch ein zweites Mal die Frage: Würde ich es nochmal machen? So schön das Rennen selbst auch war, die Vorbereitungszeit ist beträglich und fordert durchaus ein paar Opfer. All zu häufig, wird es solch eine Distanz für mich nicht mehr geben. Aber wie gesagt, nicht mehr all zu häufig ;-). Nächstes Jahr soll die Latte noch einmal nach oben gesetzt werden. Aber davon werde ich zu anderer Zeit berichten. Und jetzt ab auf die Straße mit uns und ein paar Meter laufen. Aroo!
Endlich ist sie da. Die Zielgerade des Trainingsplans. Noch eine Woche anstrengen und dann beginnt die Tapering-Phase, in der ich mein Pensum etwas runterfahren kann. Dann mache ich mich daran die Gipfel des Stubai-Tals zu erkunden. Doch wie dieses Rennen aussieht habe ich euch noch gar nicht richtig erzählt.
Der Stubai Ultra ist ein Trailmarathon, führt also über Stock, Stein und Hängebrücken. Zudem ist er auch ein Bergmarathon. Mit dem Everest-Marathon habe ich zwar schon einen bergigen Lauf hinter mir, jedoch hat dieser deutlich mehr Höhenmeter. Während es beim Everst-Marathon „nur“ ca. 2000 hm aufwärts waren, sind es hier mehr als doppelt so viel – 4280 hm. Diese verteilen sich aber zumindest nicht nur auf 42 km, dies wäre ja schon ziemlich steil, sondern auf 59 km. Ein „Ultra“ eben. Wollte ich halt ebenfalls schon immer einmal machen.
Bis zur ersten Verpflegungsstation sind es nur rund 7 km. Dabei warten aber auch schon 770 hm auf mich. Also 110 m auf einen Kilometer. Um sich das besser vorstellen zu können: Das sind 10 Autoanhänger, 55 Meterstäbe oder 687 Geodreiecke =P. Zwischen der 2. und der 3. Verpflegungsstation sind es sogar 1200 hm, die auf 5,5 km verteilt sind. Das macht bestimmt riesig Spaß. Die Aussicht auf 2237 m wird jedoch auf jeden Fall großartig sein. Dieses Höhen- und Streckenlängenspielchen könnten wir noch eine Weile fortführen. Beeindruckend ist jedoch auch die Cut-Off-Zeit, also die Zeit, die man maximal in Anspruch nehmen darf. Diese beträgt fast die Zeit für zwei Staffeln der Ärzte-Comedy-Serie „scrubs“, genauer gesagt 14 h. Start 7:30 Uhr – Ende 21:30 Uhr. Huiuiui, danach brauche ich vielleicht auch einen Arzt oder zumindest eine Massage. Auf diesen Lauf sollte man sich also schon etwas vorbereitet haben. Dass er durchaus ernst zu nehmen ist verrät auch das Pflicht-Equipment. Neben eines Getränkerucksacks ist auch Schlechtwetterausrüstung, wie langes Oberteil, lange Hose, Mütze und Regenjacke fest vorgeschrieben. Auch das Smartphone und ein Erste-Hilfe-Set dürfen nicht fehlen. Zusätzlich zu den Protein-Riegeln darf ich also einiges mit mir herumschleppen. Es wird auf jeden Fall ein Abenteuer werden. Doch wenn ich mir das Werbevideo auf der Homepage ansehe, dann werde ich mit wahnsinnig schönen Bildern belohnt werden. Die einzige Sorge ist, ob ich fit genug bin und genug Power habe. Hier wäre es wirklich toll wenn ich auf eure Unterstützung hoffen darf. In Form von Spenden. Jeder Euro würde mir helfen, mich für den nächsten Kilometer zu motivieren und durchzubeißen. (An dieser Stelle vielen lieben Dank für die anonyme Mai-Spende) Vergelten werden ich es so oder so mit viel Schweiß und Fotos, die ich beim nächsten Eintrag online stelle. Nun wird abr wieder in die Laufschuhe gestiegen und weiter trainiert. Aroo, auf geht´s (Lauf)Freunde!
Man könnte manchmal meinen, dass zum Laufgewand ein sog. Kummerbund gehört, denn vor, während und nach dem Laufen gibt es von einem genug: Sorgen!
Zuletzt, beim Wings For Life Worldrun, konnte ich die Gesellschaft meiner Freundin und ihrer Arbeitskolleginnen genießen, die ebenfalls daran teilnahmen. Dabei wurde über die vielen Nöte zum Lauf gesprochen und diskutiert, wobei ich teilweise still in mich hineinlachen musste. Nicht weil deren Probleme so belanglos und lächerlich waren, sondern weil sie so ziemlich jeder hat. Egal wie trainiert und erfahren der- oder diejenige ist. Vielleicht nicht alle auf einmal oder in gleicher Stärke, aber sie sind da. Beispiele gefällig?
Es fängt bereits schon vor dem Lauf an. Nein, nicht die Minuten und Stunden davor. Tage! Habe ich gut genug trainiert? Habe ich kurz vor dem Wettkampf zu viel trainiert? Wie wird das Wetter, denn ich benötige ja die passende Laufbekleidung? Was essen wir am Abend zuvor? Ach herrje, wie haben keine Pasta für die Pastaparty mehr daheim. Ein wenig erinnern diese Probleme, wie die eines Schauspielers. „Unter diesen Bedingungen kann ich nicht arbeiten. So nicht. Das steht nicht in meinem Vertrag!“ Diese Probleme lassen sich aber ja mit genügend Vorlaufzeit in den Griff bekommen.
Die Stunden vor dem Lauf: Wann fahren wir los? Wir dürfen nicht zu spät kommen, denn sonst bekommen wir keinen Parkplatz oder der, den wir noch bekommen steht ewig weit weg. Wenn wir im Stau stehen, schaffen wir es noch rechtzeitig zur Startnummernausgabe? Puh, die Schmetterlinge im Bauch erwachen langsam. Aber ruhig Blut. Es wird schon alles. Oder? Oh nein, habe ich daran gedacht meine Laufuhr und meinen MP3-Player aufzuladen? Ich habe meinen Geldbeutel noch bei mir. Schaffe ich es noch zum Auto um die Geldbörse ins Handschuhfach zu zwängen? (Die letzte Frage wurde so ähnlich beim WFL ca. drei Stunden vor dem Startschuss gestellt) Häufig geht man auf Nummer sicher. Die Schmetterlinge konnten beschwichtigt werden. Aber rumort da jetzt etwas anderes im Bauch? Das Frühstück? War die zweite Toastscheibe zu viel? Oder hätte ich einfach Wasser statt Kaffee trinken sollen? Ja ja, dieses Frühstück hat es in sich. Noch schwieriger wird es, wenn der Lauf erst mittags startet. Darf dann nochmal etwas gegessen werden. Ist ein Sandwich ok oder sollte man sich mit einem Protein-Riegel begnügen? Ein Gutes hat so eine kleine Mahlzeit zuvor aber auf jeden Fall. Es geht Zeit vorbei. Wenn um 11 Uhr die Nummernausgabe endet und der Lauf um 13 Uhr beginnt, gilt es noch ein paar Minütchen zu überbrücken. Laufen wir doch etwas durch den Merchbereich und schauen uns die ganzen Buden mal an. Aber es regnet. Sollen wir trotzdem schauen? Wenn wir jetzt schon nass werden… Dürfen wir überhaupt schon… laufen? Ok, vielleicht ein klein wenig. Aber nicht zu viel! Nicht, dass wir während des Wettbewerbs keine Körner mehr haben. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Und dann ist es soweit. Die letzten sechzig Minuten kommen. Erst noch einmal auf das Klo. Oh nein. Eine Schlange. Schaffe ich es noch rechtzeitig zum Startschuss? Diese Sorge kann eingetauscht werden durch die Quängelfrage „Wann gehe ich auf die Toilette, so dass wenig Leute anstehen, ich aber kein zweites Mal mehr vor dem Start auf´s Töpfchen muss?“ Die Chancen stehen übrigens 50/50 dass das klappt. Danach gilt es, sich aufzuwärmen. Doch wieviel? Wann hört man damit auf, um sich einen guten Startplatz zu sichern? Und, wann schalte ich meine Laufuhr ein, so dass mich das GPS noch rechtzeitig findet? Wenn ein paar hundert oder tausend andere das gleiche tun, kann dies etwas Zeit in Anspruch nehmen.
„Peng!“ Startschuss. Und aus Regenwetter wird Sonnenschein. „Mist, ich bin zu warm angezogen.“ Aus Sonnenschein wird Regenwetter. „Mist, ich bin zu dünn angezogen.“ Doch dem Equipment-Teufel kann man in der Regel leicht entkommen. Wenn man ihm jedoch entkommen ist, stellt sich wieder die nächste Frage: Bin ich ihm zu schnell entronnen? Passt meine Pace? Muss ich das später büßen? Ich habe eine Idee, ich nehme einfach ein Hydro-Gel zu mir, dann ist alles wieder gut. Oder habe ich dann später keines mehr? Huiuiui, es wird nicht leichter.
Irgendwann und irgendwie kommt man dann doch immer ins Ziel. Die Welt scheint ok, bis man nach der Zeit gefragt wird und sich herausstellt, dass der Fragende nur ein paar Sekunden schneller war als man selbst. Das Maschinengewehr der Fragen wird wieder abgefeuert. Hätte ich mich nicht noch etwas mehr zusammenreißen können um vor ihm durch das Ziel zu kommen? Oder hätte ich noch mehr trainieren können? Habe ich zu viele Bögen geschlagen? Wir werden es nie erfahren.
Warum macht man bei so einem Lauf mit? Das ist doch purer Stress? Es scheint fast so, als ob man hinterher genau wegen diesem Psychoterror so kaputt ist und nicht wegen der sportlichen Anstrengung. Naja, wenn man all das bewältigt hat, dann wird man vom Stolz durchströmt. Reiner. Purer. Fabelhafter. Stolz. Das Grundnahrungsmittel für sein Ego. Man kann voller Freude berichten, bei etwas Besonderem und Großartigem teilgenommen zu haben. Diese Freude lässt sich auch prima mit seinen evtl anwesenden Lauffreunden, seinen Unterstützern und Freunden teilen. Wundervoll. Und genau sowas möchte man doch. Wo wäre der Reiz teilzunehmen, wenn es so einfach wäre? Man macht ja schließlich mit, um etwas zu erleben. Und eben darum sind sie so toll, diese Sorgen. Viele schöne sorgenreiche Läufe ;-). Bis zum nächsten Mal.
Alle Jahre wieder … Naja, nicht ganz. Dieses Jahr findet der Wings For Life – Worldrun zum zehnten Mal statt. Congrats! Ich selbst, nehme am 4. Mai (Achtung Star-Wars-Fans „May the force…“) zum fünften Mal daran teil. Wer wissen mag, was das tolle, gigantische, fantastische daran ist, der klickt doch mal hier zu meinem letztjährigen Artikel.
Etwas neues Wundervolles gibt es aber dieses Jahr zusätzlich: Meine Freundin läuft mit. Darüber freue ich mich wirklich sehr. Mit diesem Lauf hat sie eine hervorragende Wahl getroffen. Dieses Rennen ist nämlich ihr erstes und wird aufgrund des Formats und der Stimmung auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Ganz viel Spaß und viel Erfolg an dieser Stelle nochmal =)!
Wer jedoch mich noch weiter fördern möchte, bzw. für Wings For Life spenden, der findet mich mit der Startnummer #26239. Ich würde mich wirklich sehr über eure Unterstützung freuen. Jeder einzelne Euro geht an die Stiftung von Wings For Life. Man bemüht sich hier, damit Menschen im Rollstuhl wieder selbst in der Lage sind zu laufen.
Dieses Event wird auch wieder auf ServusTV übertragen. Startschuss ist um 13 Uhr. Möge die Macht mit uns sein!
Irgendwann einmal einen Ultra-Marathon zu laufen schwebte mir schon lange im Kopf herum. In diesem Sommer will ich dieses Projekt nun endlich angehen. Doch ist der Ultra einfach nur ein (etwas) längerer Marathon? Einfach mehr laufen und fertig? Ich hatte davor keine Ahnung, die Challenge gefiel mir aber und gefällt mir noch immer.
Die Vorbereitung darauf scheint aber wieder – Weshalb soll es anders als beim Marathon sein? – die eigentliche Herausforderung zu sein. Unterm Strich bin ich beim Marathon mit meinem interneterstellten Trainingsplan ganz gut gefahren bzw „gelaufen“. Zielzeit und Datum eingeben. Fertig. Für einen Ultramarathon gibt es so etwas aber nicht. Niemand möchte sich hier im Netz die Hände an solchen Plänen verbrennen. Ab Distanzen die länger als 42 km sind, spielen die vorherige Fitness, das Alter, die Lauferfahrung, die Ernährung und die Enddistanz eine immer größere Rolle. Man muss sich selbst ausprobieren und sehen, was für sich das Beste ist. Der Körper eines jeden ist dann halt zu unterschiedlich. „Ich will aber doch einfach nur bei einem Ultra-Event mitmachen!?! X( “ Um einen Trainingsplan in meinen Händen halten zu können, musste ich ziemlich recherchieren. Erfahrungsberichte gibt es genug. Hier und da gibt es auch Pläne, die jedoch mit der Herzfrequenz und nicht, wie für mich gewohnt, mit Pace arbeiten. Das ist natürlich die sehr viel professionellere und gesündere Variante, jedoch fehlt mir dafür ebenfalls die Erfahrung und noch zähle ich mich zum Team „ungezügelte Jugend“ (zumindest beim Laufen). Die passende Distanz war zudem auch nicht dabei, genauso wenig wie eine ungefähre Zielzeit. Nach vielen Clicks habe ich dann endlich mal eine Seite gefunden, die nicht nur Phrasen drescht und zwei Standard-Absätze mit Laufgrundsätzen auf das digitale Papier bringt, sondern die jede einzelne Trainingswoche und -zyklen auch erklärt. Aber nicht nur die sportlichen Gesichtspunkte wurden hier ins Licht gestellt, sondern auch das Drumherum. Mein Training umfasst nun zwischen sieben bis neuneinhalb Stunden. Die dazugehörigen Workouts, das Dehnen sowie die Vor- und Nachbereitung sind da noch nicht eingerechnet. Das Training nimmt also sehr viel Zeit in Anspruch. Es war schön zu lesen, dass es auch voll ok ist eine Einheit mal zu streichen. Neben dem Laufen gibt es ja auch Partnerin, Familie und Freunde, die ebenfalls wichtig sind. Als Ausrede sollten diese aber auch nicht gelten. Ich komme bei meiner anstrengensten Woche auf ca 110 km. Das ist jetzt auch nicht wenig, jedoch gibt es ja Ultras die 160 km aufwärts lang sind. Laut Plan bedeutet das, dass dies Ultra-Distanz plus ca 20 km maximal in der heftigsten Woche gelaufen werden sollen. Kein Problem, man muss ja nicht arbeiten. Und genau an solchen Stellen ist dieses „Weniger ist auch ok“ wirklich wohltuend.
Als ich dann tatsächlich einen richtigen Plan mit Zeiten und meiner Laufdistanz gefunden hatte, hab ich aus diesem Plan, gepaart mit den Maximen und Ratschlägen der anderen Seite meinen mir eigenen Trainingsplan zusammengebaut. Fünf Einheiten pro Woche mit mindestens zwei Workouts. Viel? Laut diesen Seiten geht noch mehr! Ungewohnt ist hier, dass an den Wochenende zwei Einheiten mit ca. 23 km bis 30 km zu laufen sind. Beim Marathontraining ist die Wochenendeinheit sehr viel länger. Da muss man die Zähne deutlich mehr zusammenbeißen. Nachdem ich diese Zeilen aber nun in der fünften Woche schreibe kann ich dem Konzept immer mehr glauben schenken. Warum? Die langen Trainingswochen beim Marathon haben einen Gesamtumfang von ca. 80 km (zumindest bei mir). Diesen Umfang habe ich jedoch schon in der dritten Woche meines Ultra-Trainingsplans geknackt. Und das merkt man mit der Zeit ordentlich in den Füßen. Da sind 2 x 25 km am Wochenende auch nicht wenig. Schön ist es aber schon, wenn etwas früher als beim Marathontraining Schluss ist ;-). Mit dem Stubai Ultra laufe ich nun keine unmögliche Königstour, jedoch merke ich an einigen Stellen einen Unterschied zu meinen bisherigen Läufen. Genau das habe ich mir u. a. ja von diesem Projekt erhofft. Ob nun am D-Day alles nach Plan läuft bleibt abzuwarten. Hoffentlich, denn das Training in den Alltag unterzubringen ist nicht leicht. Dies ist die einzige Stelle, bei der es mir bei weiteren Wunschprojekten auf meiner Bucket-List schon graut.
Mit solch bedrohlichen oder ängstlichen Worten soll dieser Beitrag nun aber nicht abgeschlossen werden. Dieser Trainingsumfang zwang mich nämlich endlich wieder neue Wege auszuprobieren. Zum Glück, denn was ich bisher gefunden habe war wirklich schön. Neue Waldtrails, Auf und Abs auf Feldwegen und auch ein paar Kilometer auf Bergen konnte ich so bereits im inneren Auge sammeln. Ab und zu nahm ich mir auch die Zeit an besonders schönen Stellen Fotos zu machen. Denn das alles soll ja auch Spaß machen. Landschaft genießen. Froh über die Bewegung sein. Schön also ein Event vor der Nase zu haben, bei dem hinter der Zeit ein großes Fragezeichen steht. Ich zumindest kann so lockerer an die Sache herangehen. Mit den Rehen, Eichhörnchen und Schmetterlingen, die ich beim Training alles gesehen habe möchte ich mich nun verabschieden. Ich wünsche Euch, das ihr in den nächsten Einheiten selbst zu schönen Bildern kommt. Frohes Laufen!
Die letzten Worte meines letzten Beitrags klangen verheißungsvoll: „Ich werde endlich ein Mountainman.“ Der Mountainman ist eine Laufserie bei der schöne Trailläufe in Deutschland und Österreich auf verschiedenste Distanzen rund um das ganze Jahr abgehalten werden. Am 15. März hätte es den nächsten bei Reit im Winkl gegeben. Hervorragend um etwas Erfahrung bei Bergläufen sammeln zu können. Sogar das Startpäckchen mit Startnummer, Handwärmer, Traubenzucker und Shampoo hatte den Weg zu mir gefunden. Doch zu früh gefreut. Leider bin ich von den letzten drei Wochen die Hälfte mit Fieber im Bett gelegen. Eine Teilnahme erscheint daher wenig gesund und sinnvoll, auch wenn das Herz blutet.
Mit Blick nach vorne muss nun ohne dieses Event auf den Höhepunkt hintrainiert werden. Dieser wird nämlich der Stubai Ultra werden. Mein erster Ultra (59 km)! Über den erzähle ich euch jedoch ausführlicher, wenn es so weit ist. Momentan geht es zunächst darum einen Trainingsplan zur Vorbereitung aufzustellen. Und das ist ebenfalls eine kleine Herausforderung. Wie ich diese bewältige erzähle ich im nächsten Beitrag. Nun heißt es erst einmal gesund werden. Viel Spaß beim Laufen.