Leider fiel ja der Mountainman bei Mittersill ins Wasser, da er plötzlich von den Anwohnern geächtet wurde und so vom Veranstalter abgesagt werden musste. Der Chiemsee erschien mir nun ein guter Ersatz zu sein. Um einen See herumzulaufen bringt zwar so gut wie keine Höhenmeter ein – der Mountainman hätte ja mehrere 1000 gehabt – jedoch wollte ich dieses mit zusätzlichen Laufmetern ausgleichen. Die Umrundung des größten Bayernsees stellt ja einen Ultramarathon dar.

Eingestiegen bin ich kurz vor Prien (kostenlose Parkplätze =) ). Der Weg führte mich dann zur allseitsbekannten Dampfer-Anlegestelle. Bis dahin musste man schon wissen, dass man an einem See entlangläuft, denn die Sicht auf eben diesen blieb verborgen. Kurz nach der Anlegestelle wollte sich mir auch hier der See nicht preisgeben. Er mag zwar der Größte in Bayern sein, jedoch scheint er nur für ein ausgewähltes Völkchen, den Anwohnern, zugänglich zu sein. So hatte ich eher den Eindruck durch ein Musterhausgelände zu joggen, als am Gewässer entlangzulaufen. Insgesamt wurden der Chiemsee und ich nicht so richtig warm miteinander, was nicht nur an den Temperaturen um den Gefrierpunkt lag.

Dann endlich, ging es aufwärts mit unserer Beziehung. Ich bekam eine bessere Aussicht und auch die Wander- bzw. Feldwege führten durch mehr Natur. Das ständige Auf-das-Handy-schauen wurde seltener, da sich die Wege weniger verzweigten. Doch genau diese hatten es in sich. Durch die Schneemengen der letzten Wochen glich der Weg eher einer Eislaufbahn. Sobald die Schuhsohlen nicht senkrecht auf dem Boden auftrafen oder sich abstießen herrschte große Rutschgefahr. Naja, so blieb man wenigstens im gemaßregelten Grundausdauer-Tempo. Manchmal sah man aber auch die eingefrorenen Fußabdrücke der Fußgänger. Was einerseits prima war, da man dann Profil hatte und sich abdrücken konnte, aber andrerseits sehr gut aufpassen musste um nicht umzuknicken. Trotzdem, dieser Teil machte wirklich am meisten Spaß. Bei Seebruck war es dann mit der Idylle vorbei und der Weg führte teilweise an Land- und Schnellstraßen vorbei. Allerdings gab es sehr einladende Cafés zu sehen, die jedoch – wer hätte es gedacht – so gut wie alle geschlossen hatten. Nach 25 km kam ich aber an eine schöne Anlegestelle, bei der man so ziemlich für sich war und genoss meine Pausenbreze. Wegen der Temperaturen blieb die Rest allerdings recht kurz.

Der Rest, bis nach Chieming, ging wieder größtenteils am Strandweg entlang, welcher ab da 4 km von einer Schnellstraße begleitet wurde. Danach war wieder Ruhe. Das Grabenstätter Moor sagte hallo. Kein See mehr, aber schöne Landschaftseindrücke … und wieder vereiste Laufwege. Für den Fall, das man mir weinerliche Übertreibung vorwirft… ein Mountainbiker, der mich überholte, kam mir geschätzte zehn Minuten später wieder entgegen und warnte mich vor den Eispfaden. Für ihn sei das nichts mehr. Auch die Hundebesitzer wunderten sich, wie ich dieses Terrain zum Joggen verwenden konnte. Ab da war es dann geschafft. Der ansatzweise schöne Teil zumindest. Nach dem Moor, hatte ichzwar stets den See auf meiner rechten Seite im Blickfeld, zu meiner Linken bot sich allerdings die unbeschreibliche Aussicht auf eine Straße. Man nennt sie A8! Elf Kilometer lang. Welch´ wunderbares Ambiente um sich über die vollbrachte Marathondistanz zu freuen, die ich während dieses Abschnitts gelaufen bin. Als ob mich der See noch irgendwie beschwichtigen wollte, durfte ich die finalen Kilometer nochmals durch grünes Gelände laufen. Aus Angst, wieder in Sackgassen zu joggen, wie beim Forggen- und Staffelsee, vermied ich es diesmal, die Landzungen des Sees zu erkunden. Diese Angst sparte ordentlich Kilometer ein. Leider!? 300 Meter lief ich dann zusätzlich aus Trotz, denn ich wollte zumindest die eine Zahl auf meiner Uhr sehen. 50. 50 Kilometer waren es um den Chiemsee herum. Ein netter kleiner Ultramarathon.

Fazit: In der Winterzeit macht der Chiemsee nicht viel her. Im Sommer, an Strandkaffees und Kioskbuden, kann man vereinzelt das Ambiente des Sees genießen. Man muss aber danach suchen. Als Challenge war der Chiemsee eine tolle Hürde, für die Aussicht gibt es jedoch sehr viele schönere Seen, an denen man sich erfreuen kann. Mal sehen, was der große und kleine Brombachsee zu bieten haben. Bis dahin: Let´s fetz!